Gerald Gartlener von der Donau-Universität Krems sieht Österreich „mit offenen Augen in die nächste Problemsituation“. Der Epidemiologe fordert gezielte Maßnahmen für Risikogruppen statt strengere Regeln für alle. Ihm zufolge gehe die Regierung zu “ungeschickt” vor.
„Warum wird Menschen über 65 Jahren und Menschen mit schweren Vorerkrankungen nicht gesagt, dass sie so schnell wie möglich eine vierte Spritze bekommen sollen?“ So schwer kann das nicht sein“, sagt Gerald Gartlener, Leiter des Fachgebiets Evidenzbasierte Medizin und Evaluation an der Donau-Universität Krems. Die aktuelle ‘Geht Sicherheit’-Kampagne, bei der ein Teenager beim ersten Date kuscheln will, ist unbeschreiblich und geht an der Zielgruppe völlig vorbei.’
Zudem sollten Risikogruppen aufgefordert werden, sich regelmäßig untersuchen zu lassen, um im Infektionsfall schnell Medikamente einnehmen zu können. „Die antivirale Tablette Paxlovid verhindert einen Krankenhausaufenthalt nur, wenn sie innerhalb der ersten fünf Tage nach der Infektion eingenommen wird.“
Und die Isolationspflicht für positiv getestete und asymptomatische Personen könnte wahrscheinlich aufgehoben werden.
Interview mit Gerald Gartlener.
Die Presse: Bitte erklären Sie mir eines. Krisenkoordination Gecko rechnet in den nächsten zwei bis drei Monaten mit mehreren Zehntausend Neuinfektionen pro Tag, bis zu 70.000 gelten als möglich. Allerdings will die Regierung weder die Isolationspflicht für positiv Getestete ändern, noch strengere Regeln wie das Tragen von Masken in Supermärkten durchsetzen. Wie wird das passieren?
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