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Evolution: Wie sich Sars-CoV-2 entwickelt hat

Molekularbiologe Ulrich Ehling sagt, mit Omikron habe es einen Wendepunkt in der Evolution des Virus gegeben. Zuvor waren alle Varianten aus der ursprünglichen Form von Sars-CoV-2 hervorgegangen. „Wir befinden uns jetzt erstmals in einer Phase, in der immer wieder aktuelle Varianten aus Omikron hervorgehen.“

Kleine Mutationen, große Wirkung

Das Momentum ist derzeit sehr hoch, was sich auch an der Geschwindigkeit zeigt, mit der neue Untervarianten auftauchen und neue Wellen schlagen können. Die Veränderungen des Virus seien oft nur gering, die Wirkung aber enorm, so der Sequenzierungsexperte vom Institut für Molekulare Biotechnologie der Akademie der Wissenschaften: „Wir beobachten, dass schon kleine Veränderungen innerhalb dieser Omikron-Linien erhebliche Veränderungen hervorrufen und auslösen können noch eine Welle.” Elling verweist auf das Beispiel BA.5, diese Untervariante hat neben BA.2 nur drei Mutationen. „Aber: Sie sind an strategisch wichtigen Positionen und können eine neue Welle erzeugen.“

Das Muster der Evolution sei immer das gleiche: „Der erste Schritt besteht darin, Antikörper zu umgehen, und der zweite Schritt besteht darin, Infektiosität zu vermeiden.“ Dass die Lunge weniger betroffen ist, ist aus Ellings Sicht keine logische Folge der Evolution: „Glücklicherweise , wir sehen das bei Omicron, aber es ist nur zufällig.”

Größere Entwicklungssprünge sind möglich

Aktuell verändert sich das Virus in verschiedenen Teilen der Welt in ähnlicher Weise – so ähnelt beispielsweise die BA.2.75-Variante in Indien einer neuen Variante in Deutschland, und auch in Österreich werden diese spezifischen Mutationen immer wieder gefunden. „Es scheint eine Richtung zu geben, die sich derzeit als vorteilhaft für das Virus erweist, und Mutationen in diese Richtung treten bereits unabhängig voneinander auf.“

Was aber nicht übersehen werden sollte, so der Forscher: Das Delta mit seinen schweren Gängen existiert noch immer. Die Option ist nicht ausgestorben, daher ist es möglich, dass sie im Herbst und Winter wieder eine größere Rolle spielt.

Dass es dabei immer große Entwicklungssprünge geben kann, zeigt der Erreger einer anderen Krankheit: „Bei der Influenza verändert sich ein Stamm im Laufe der Zeit und es treten neue Mutationen auf. Und nach einigen Jahren, wenn eine hohe Bevölkerungsimmunität aufgebaut ist, springt das Virus in eine ganz neue Variante – das sind die Jahre, in denen es wieder heftigere Grippewellen gibt.

Halte die Wellen flach

Was bedeuten diese Beobachtungen für den Herbst? Der Genetiker Ulrich Elling bevorzugt generell längerfristige Überlegungen. „Wir müssen erkennen, dass es nicht nur um den nächsten Herbst geht, sondern dass wir eine Endemie erreicht haben – es fühlt sich einfach anders an, als viele von uns gehofft haben.“

Sars-CoV-2 ist hoch ansteckend, daher wird es immer wieder Wellen geben. Um es so gleichmäßig wie möglich zu halten, müsse man Grundregeln entwickeln und sich dann daran halten, sagt Elling: „Das ist die neue Realität für die nächsten Jahre. Wir müssen gewisse Anpassungen vornehmen, zum Beispiel für saubere Raumluft und zum Schutz gefährdeter Gruppen.“ Den Winter noch einmal erleben und dann ist die Pandemie vorbei – diese Perspektive sieht der Forscher nicht.