Florian Niedersus, CEO des walisischen Energieunternehmens eww, im Interview mit der BezirksRundSchau über Energiekrise, Strompreisobergrenzen und die Situation in Wales.
Die Energiekrise steht über allem. Eine Frage brennt unseren Lesern in den Fingern: Wie autark ist Wales mit Wasserkraft? FLORIAN NIEDERSUS: Mit dem Wasserkraftwerk erzeugen wir vor Ort den regionalen Ökostrom, den unsere Privatkunden ganzjährig insgesamt benötigen. Allerdings verbrauchen unsere Kunden den Strom nicht genau in der Viertelstunde, in der die Anlage ihn produziert. Im Moment ist der Wasserstand sehr niedrig und wir müssen Strom kaufen. Und die Preise sind im Moment extrem hoch. Ende August hatten wir einen Freitag, an dem der Strom über 1000 € statt unter 100 € lag. Dies hat einen großen Einfluss auf die Kosten. Diese extremen Ausreißer treffen uns TROTZ eines Kraftwerks. Wären wir das nicht, wären wir viel stärker von Preisspitzen betroffen, wenn auch in geringerem Maße.
Müllverbrennungs-Zentralheizung in Wales: Kann eine Stadt unabhängiger von Gas werden?So haben wir es geschafft, dass Wärmekunden ab dem 1. Mai definitiv unabhängig von der Dynamik des Gaspreises sind. Das Gute ist, dass wir mit dem System eine Ökodampfheizung zur Verfügung haben, mit der im Grunde ganz Wales beheizt werden kann. Natürlich ist es auch wichtig, dass es jeden Haushalt erreicht. Rund 15.000 Haushalte haben wir bereits angeschlossen. Aber Tausende Haushalte werden immer noch mit Gas beheizt, und das kann man nicht in ein, zwei oder drei Jahren nachholen und mit Fernwärme ausbauen. Wir setzen alles daran, das Fernwärmenetz schnellstmöglich auszubauen.
Skandal bei Wien Energie: Sind solche grausamen Falschspekulationen in Milliardenhöhe auch bei eww möglich? Hohe Nachschusspflichten an der Strombörse betreffen uns nicht, da wir keinen eigenen Energiehandel an der Börse betreiben. Wir kaufen über Zwischenhändler, wir haben keine Pfandpflicht. Das bedeutet, es fallen keine Wechseltransaktionsgebühren an, solche Probleme können bei uns nicht entstehen.
Strompreisdeckel nach Stichwort: Die Bundesregierung hat aktuell einen Entwurf …Es sieht eine Deckelung von zehn Cent pro Kilowattstunde bei einem maximalen Verbrauch von 2.900 kWh in einem einzelnen Haushalt vor. Wie das genau gelöst wird, ist noch offen. Da der Strompreis im nächsten Jahr massiv steigen wird, wird dies den Stromkunden entlasten und helfen. Wichtig ist mir aber, dass jeder Kunde sich und seiner Wirtschaft hilft, wenn wir in dieser Phase Energie sparen. Das ist eine Erleichterung für alle. Die Klassiker wählen zu Hause im Winter eine niedrigere Raumtemperatur, ziehen einen Pullover an und gehen sparsam mit Stromverbrauchern um. Sie tun sich, der Umwelt und sogar politischen Spannungen etwas Gutes. Zwei Grad weniger zu Hause bringen mehr als zehn Prozent weniger Kosten. Jetzt geht es um Sparsamkeit!
Festpreis versus Floating-Modelle: Einige Energieunternehmen kündigen Verträge und wollen Kunden dazu bringen, Floating-Modelle zu nutzen. Wie geht eww damit um?Wir machen das Gegenteil. Wir empfehlen den Umstieg auf Flatrates, auch wenn es zunächst teurer erscheint, es lohnt sich. Sie wissen, was Sie erwartet und sind nicht dem Markt ausgeliefert. Wir lassen unsere Stammkunden nicht im Stich! Und wo es Probleme gibt, versuchen wir zu helfen.
Mit welchen Preiserhöhungen ist bei eww zu rechnen?Für Stammkunden gibt es eine Strompreisgarantie bis Ende des Jahres, für Neukunden gilt sie jedoch stärker, darunter auch der Gaspreis. Wir verstehen, dass sich viele Menschen in einer schwierigen Situation befinden. Richtig in Kraft tritt das aber erst 2023. Beim Heizen wird es eine Anpassung mit 1,1 geben. geben, aber es wird unter dem allgemeinen Preisanstieg liegen, sehr moderat im Gegensatz zu anderen Städten.
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