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Fall Schlesinger: Diese Reformen bei ARD und ZDF sind überfällig

Stellungnahme nach dem Fall Schlesinger

Teure und fehlerhafte Inhalte – diese Reformen bei ARD und ZDF sind überfällig

Stand: 13:06 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

“Was ist los mit dem Kontrollsystem bei ÖRR?”

Auch Patricia Schlesinger tritt als Direktorin des RBB zurück. Zuvor hatte sie den Chefposten bei der ARD niedergelegt. „Bei den RBB-Mitarbeitern herrscht großes Unverständnis dafür, warum ihre Löhne immer so niedrig sind“, sagt Annette Dovidait, Leiterin des WELT-Ermittlungsteams.

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Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist in einer Demokratie sinnvoll. Respekt verdient auch der Umgang des RBB mit dem Fall Schlesinger. Doch das System ist nicht mehr relevant – und extrem teuer. Es besteht dringender Reformbedarf – um ein besseres und billigeres Programm zu ermöglichen.

Nach Feierabend werden zu Hause regelmäßig die ARD-Tagesthemen oder das heute journal des ZDF gezeigt. Zwar bin ich berufsbedingt den ganzen Tag über das Weltgeschehen auf dem Laufenden, aber abends noch einmal hinzuschauen gehört für mich einfach dazu.

Und die Kollegen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) leisten für ihre Flaggschiffe in den meisten Fällen sehr gute Arbeit. Auf jeden Fall fühle ich mich nach den Shows oft gut informiert.

Reformen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind jedoch überfällig. Das zeigt nicht zuletzt der Fall Schlesinger, der das Wasser für alle ist, die den deutschen Medienmarkt am liebsten ganz ohne die Sender ARD, ZDF und Deutschlandradio sehen würden.

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Affäre um den Rücktritt von RBB-Geschäftsführer Schlesinger Schlesinger

Solche Forderungen gehen jedoch zu weit: In einer Demokratie ist es sinnvoll, einen Rundfunkdienst zu unterhalten, der die Grundversorgung der gesamten Bevölkerung mit Informationen sicherstellt. Bei aller Kritik am journalistischen Vorschlag des ÖRR im Detail ist der Umgang des RBB mit dem Rückzug Schlesingers in der eigenen Berichterstattung ein Beispiel dafür, wie sehr man sich dort um eine objektive Berichterstattung bemüht: Schwerpunkte in mehreren Sendungen und sogar Sondersendungen zur Sache mit kritischen Interviews hatte einige. Das verdient Respekt.

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In seiner jetzigen Form ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk jedoch einfach nicht mehr relevant. So dürften die Kommentare vielfältiger ausfallen: Hier fehlen den Sendern überall liberale und konservative Stimmen, das zeigte etwa eine Umfrage unter ARD-Redakteursanwärtern im Mai 2020.

Private Anbieter sind in der Regel besser in der Unterhaltung – und im Zweifel sogar günstiger. Wenn „Traumschiff“ das ZDF nicht mehr verlässt und Florian Silbereisen seinen Schlager-Kollegen nicht mehr die große Bühne der ARD bietet, wird es für Netflix und Amazon oder die private TV-Konkurrenz attraktiv, auch ein auf ältere Zuschauergruppen zugeschnittenes Programm zu starten.

Reformbedarf bei ARD und ZDF

ARD und ZDF sollten sich die TV-Rechte für große Sportereignisse nicht für viel (Honorar-)Geld sichern. Schließlich sind die Preise im TV-Rechtemarkt vielleicht sogar günstiger oder zumindest realistischer – denn bei privaten Anbietern geht es vor allem um die Einschaltquoten und damit um das Werbeergebnis.

Bringen der DFB-Pokal oder Olympia nicht mindestens X Beträge ein, können keine Gebote mehr abgegeben werden. Bei öffentlichen Betreibern spielt dies keine Rolle. Die Einnahmen aus den Rundfunkgebühren kommen sowieso rein.

Neben der Kommentierung besteht auch im Bereich des Journalismus dringender Reformbedarf: Denn die staatlichen Sender (RBB, NDR, BR und Co.) konkurrieren im regionalen und nun auch lokalen Journalismus mit privaten Anbietern wie Lokalzeitungen oder Lokalradios und Fernsehsender.

Dass die Landesgruppen der ARD über lokale Ereignisse von überregionaler Bedeutung und Landespolitik berichten, ist schön und gut. Allerdings finden sich ÖRR-Reporter seit Jahren vermehrt bei kleineren Veranstaltungen wieder, die außerhalb der Region kaum berichtenswert wären.

Das teuerste öffentlich-rechtliche Fernsehen der Welt

Zudem sind ARD und ZDF nicht mehr nur in TV und Hörfunk präsent, sondern auch im Internet mit textlichen Inhalten. Im Gegensatz zu privaten Medienkonzernen müssen sich ÖRR-Kollegen keine Sorgen um Einnahmen machen.

Und während Verlage bundesweit in den letzten Jahren kräftig sparen mussten, steigen die ÖRR-Gebühren weiter und ihre Wettbewerbsposition gegenüber vielen privaten Medienanbietern ist zunehmend bedroht.

Im vergangenen Jahr erhielt ÖRR insgesamt 8,42 Milliarden Euro und ist damit der teuerste öffentliche Betreiber der Welt. In der sich wandelnden Medienlandschaft, die fast überall Sparzwang mit sich bringt, müssen auch ARD, ZDF und Deutschlandradio den Gürtel enger schnallen – und zumindest dort sparen, wo andere bessere (unterhaltsame, aber auch informative) Programme anbieten können. Davon würde schließlich auch der Zinszahler in Zeiten hoher Inflation profitieren.

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