Stand: 08.09.2022 17:20
In Greifswald geht das Kernfusionsexperiment Wendelstein 7-X in die nächste Versuchsphase. Ein Probelauf soll zeigen, dass die jetzige Fusionsanlage für den Weiterbetrieb geeignet ist.
Mit einem Festakt am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) wurde die neue Phase nach einem Umbau offiziell eingeläutet. Ziel ist es, bis zu 30 Minuten lange Plasmapulse bei 50 Millionen Grad zu erzeugen. Gelingt dies, ist es rein technisch auch langfristig möglich. „Das ist die eigentliche Mission“, sagte Physiker und Projektleiter Thomas Klinger am Dienstag. “Wendelstein 7-X ist bereit.”
AUDIO: Kernfusionsexperiment Wendelstein 7-X tritt in neue Phase ein (1 Min.)
Bundesforschungsministerin Stark-Wattinger: „Riesige Chance“
Die Fusionsforschung beschäftigt sich damit, die Erzeugung von Sonnenenergie auf der Erde nachzuahmen und damit langfristig eine alternative Energiequelle zu entwickeln. Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) hat weitere Unterstützung für die Grundlagenforschung in der Fusionstechnologie zugesagt. „Die Kernfusion ist eine Riesenchance für unsere Energieversorgung und unsere Unabhängigkeit“, sagte sie am Mittag beim Festakt in Greifswald. Wenn es gelänge, durch Fusion große Energiemengen zu erzeugen, würde das einen wertvollen Beitrag zur Deckung der Grundlast leisten.
Jahrelange Umbauten für den Dauerbetrieb
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Energie wie die Sonne zu erzeugen, ist ein alter Menschheitstraum. Mit dem Kernfusionsexperiment Wendelstein 7-X ist die Wissenschaft der Erfüllung einen Schritt näher gekommen. Mehr ▼
Zuletzt haben Greifswalder Forscher rund zwei Jahre lang eine Fusionsanlage „Stellarator“ gebaut. Übrigens wurden 600 Wasserkühlkreisläufe installiert. Dies dient dazu, die “Kacheln” in der Kamera zu kühlen. Herzstück der Anlage ist der rund 3,5 Meter hohe Ring aus 50 Magnetspulen, die auf minus 270 Grad gekühlt werden. Durch die Umstellung soll das Plasma nicht wie bisher nur wenige Sekunden, sondern deutlich länger erzeugt werden.
Wasserstoffkerne sind fusioniert
Die eigentlichen Experimente sollen im September beginnen, die Vorbereitungen laufen bereits. Erstens steigen die Temperaturen im System allmählich an und die Pulse verlängern sich, so Projektleiter Klinger. Die Forschungsanlage enthält elektrisch geladenes Wasserstoffgas in einer Vakuumkammer, die extremer Hitze ausgesetzt ist. Dieses Plasma wird durch die Magnetspulen in Schwebe gehalten und somit von den Wänden der Kammer ferngehalten. Energiequelle ist die Wärme, die bei der Verschmelzung von Atomkernen entsteht.
„Der stärkste Stellarator der Welt“
„Wendelstein 7-X ist schon jetzt der leistungsstärkste Stellarator der Welt“, sagte IPP-Wissenschaftsdirektorin Sibile Günther. „Der bereits abgeschlossene Ausbau gibt uns die Möglichkeit, die für ein Fusionskraftwerk wichtigen Leistungsparameter weiter zu steigern und zu zeigen, dass Stellaratoren zuverlässig im Dauerbetrieb arbeiten können.“ Wissenschaftsstaatsministerin Bettina Martin (SPD ) betonte, dass am Forschungsstandort Mecklenburg-Vorpommern mit Wendelstein 7-X auf international höchstem Niveau an nachhaltigen Lösungen für den Energiebedarf der Zukunft geforscht werde. „Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern ist stolz darauf, mit Wendelstein 7-X die weltweit führende Stellaratoranlage zu beherbergen.“
Eine nukleare Energiequelle ohne hochradioaktiven Abfall
Die Greifswalder Anlage erzeugt noch keinen Fusionsstrom. Ziel ist es, die Kernfusion zu erforschen, um sie in zukünftigen Kraftwerken zur Energiegewinnung auf Basis der Sonne einzusetzen. Dazu muss die in der Kammer erzeugte Wärme als Energiequelle genutzt und über Wärmetauscher und Dampfturbinen in Strom umgewandelt oder als direkte Wärme in Heizungsanlagen abgeführt werden. Fusionskraftwerke sind ebenfalls nuklear, aber ohne hochradioaktiven Abfall. Die Gesamtkosten von Wendelstein 7-X belaufen sich auf 1,3 Milliarden Euro. Das 1996 gestartete Projekt wird von Bund, Ländern und Europa gefördert.
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Dies wird in Greifswald erforscht. Sybil Gunther vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik erklärt ihre Hoffnungen. 7min
Dieses Thema im Programm:
NDR 1 Hörfunk MV | Die Nachrichten | 09.08.2022 | 07:00 Uhr morgens
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