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Ganz normaler Regen: Warum sind Wetterwarnungen oft falsch?

Wettervorhersagen sind nicht immer das, was Bürger und Behörden hoffen – oder befürchten. Der große Sturm mit Überschwemmungen in weiten Teilen Bayerns blieb glücklicherweise aus. Aber nicht wie vorgesehen.

Entlastung in Traunstein aufgrund des ausbleibenden Hochwassers

Am Samstagmorgen herrschte Erleichterung bei der Stadtverwaltung Traunstein: Der Pegel der Traun lag einen Meter unter dem zuerst gemeldeten Pegel. Am Vortag war Starkregen befürchtet worden, die höchste Alarmstufe war 4. Ein Krisenstab wurde gebildet und U-Bahnen gesperrt. Doch das befürchtete Hochwasser blieb aus.

Unerwartetes Hochwasser in Ingolstadt

Ganz anders in der Region Ingolstadt: Das dortige Wasserwirtschaftsamt sah am Freitagmorgen keinen Anlass, eine Hochwasserwarnung auszusprechen. Als der Pegel bei dem Paar am Nachmittag plötzlich stark anstieg, fast bis auf Alarmstufe 2 und einige Straßen überflutet wurden, gaben die Behörden schnell eine Warnung heraus.

Alles richtig gemacht, sagte Regisseurin Johanna Schwartz BR24 einen Tag später. Prognosen deuteten lange Zeit darauf hin, dass kein Gewässer das gemeldete Niveau erreichen würde.

Schlechtwetterwarnungen führen nur zu starkem Regen

Unwetterwarnungen am Ende der Alpen, dann fast überall nur noch Starkregen. Im nördlichen Oberbayern hingegen gibt es Hochwasser, aber Warnungen erst kurz vorher. Für den Deutschen Wetterdienst ist das keine ungewöhnliche Entwicklung. Unsicherheit sei bei solchen Wetterlagen mit Regen und Gewitter eher die Regel als die Ausnahme, sagte ein Sprecher gegenüber BR24. Dann wechselt das Wetter oft von Gemeinde zu Gemeinde, was niemand vorhersagen kann.

Wetterdienst Frust über schlechte Vorhersagen

Der britische Meteorologe Michael Sachwe sieht das deutlich kritischer. Er sprach von einem Versagen der Wettermodellierung, „von dem sicher noch lange die Rede sein wird“. Selten waren die Kollegen der deutschen und österreichischen Wetterdienste so enttäuscht über den Erfolg einer Vorhersage.

Besonders Südbayern sticht als „Prognose-Waterloo“ hervor, sagt Sachweh: „Statt der erwarteten extremen Stagnation am Alpenrand hat die Realität eine schwer vorhersehbare Kombination aus wenig Regen und massiven Überschwemmungen aufgetischt das Jahrhundert.” Vor allem die in der oberen Donau, die teilweise mehr als 100 Liter pro Quadratmeter hatte, ist kein vorhersehbares Muster.”

Wettermodelle werden nicht stündlich neu berechnet

Der Wetterexperte des BR sieht das Problem vor allem von der technischen Seite: Die USA nutzen seit Jahren Wettermodelle, die die Lage stündlich komplett neu berechnen. Ihm zufolge passiert dies in Deutschland nur alle drei bis sechs Stunden, und es werden noch bessere Programme entwickelt.

Der Deutsche Wetterdienst ist berechtigt

Der Deutsche Wetterdienst sieht keinen Anlass zur Selbstkritik. Die Lage und eventuelle Unsicherheiten in den Prognosen seien seit Donnerstag dargestellt worden, sagte der Sprecher.

Das Szenario, das sich schließlich abspielte, war ebenfalls von Anfang an Gegenstand der Debatte, stellte sich aber erst in den frühen Morgenstunden des Freitags als das wahrscheinlichste heraus. Daher wurde die Unwetterwarnung daraufhin nach Norden und Westen ausgeweitet.

Über eine schlechte Prognose will sich Traunstein nicht beklagen

Die Stadtverwaltung in Traunstein will die Ungenauigkeit der Prognosen nicht beklagen. Eine Sprecherin verwies auf die Forderung von BR24 nach einem Motto, das Zweite Bürgermeisterin Burgi Mörtl-Körner bereits am Freitag herausgegeben hatte: „Wir hoffen alle, dass es nicht so schlimm wird, aber wir sind lieber gut vorbereitet und gerüstet für die Flut.“ “