Fertige Modelle und Anreize zum Sparen auch bei Gasknappheit soll es im Herbst geben, sagte Janger am Donnerstagvormittag bei Ö1. Sie könne gar nicht früh genug anfangen: „Jedes bisschen Benzin, das wir jetzt sparen, haben wir im Herbst wieder mehr zur Verfügung, um es dort einzusetzen, wo wir es am dringendsten brauchen.“ Die Regierung müsse außerdem eine mögliche Ausschreibung vorbereiten oder jetzt überlegen, wie effektiv Gas sei Mechanismen zur Verteilung begrenzter Waren könnten funktionieren.
Im Ernstfall werde jede Branche als systemkritisch eingestuft und auf eine möglichst hohe Ausschüttung pochen, sagte WIFO-Chef Gabriel Felbermeier ebenfalls im Morgenjournal. Klar ist, dass der Stromversorgung eine sehr hohe Priorität eingeräumt werden muss: „Ohne Gas ist die Stabilität der Netze in Österreich und Deutschland nicht gewährleistet.“
Kundenpriorisierung ist erforderlich
Sie müssen auch an die medizinische Versorgung denken, nicht zuletzt in Krankenhäusern. So müssen Sie beispielsweise prüfen, welche Arzneimittel importiert werden dürfen und welche nicht. Wahrscheinlich sei es einfacher, die Dinge, die man unbedingt braucht, vorher abzuschalten, sagt Felbermeier, der beheizte Pools als Beispiel nannte.
Ob bis zum Herbst alle notwendigen Vorsorgemaßnahmen bei der Gasversorgung getroffen seien, hänge nicht von Energieministerin Leonore Gevesler (Grüne) ab, so die WIFO-Chefin weiter. Der Minister hat regulatorische Vorbereitungen getroffen, aber Gas muss auch nach Österreich kommen. “Wenn morgen der Gashahn abgestellt oder die Leitung auf dem Weg von Russland nach Österreich zerstört wird, dann wird es schwierig.” Es durch Flüssiggas zu ersetzen, ist nicht einfach, und es gibt eine Eile, russisches Gas zu wechseln: „Das macht es schwierig – es macht es auch teuer“, sagt Felbermeier.
WIFO: Zeit drängt
Das WIFO hat in einer Studie einige Vorschläge für kurzfristige Maßnahmen bei Gasausfällen entwickelt. Die Beispiele seien als Diskussionsbeitrag zu sehen, um den volkswirtschaftlichen Schaden so gering wie möglich zu halten und gleichzeitig die angestrebte grüne Transformation „zumindest nicht zu bremsen“. In jedem Fall drängt die Zeit, da der Verteilungsmechanismus insbesondere für die Wirtschaft sehr komplex ist.
Debatte
Inflationswelle: Was tun gegen die Kostenexplosion?
Durch die Festsetzung von Tarifen und Prämien können den Haushalten wirksame Anreize zur Reduzierung der Nachfrage geboten werden. Größter Verbraucher in Österreich ist jedoch die Wirtschaft. Eine deutliche Reduzierung der gelieferten Gasmenge „würde nicht nur die Lebensbedingungen vieler Haushalte verschlechtern, sondern auch zu erheblichen wirtschaftlichen Folgen führen“, schreibt das WIFO.
Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften analysierten die Forscher ein hybrides Vergabeverfahren und einen reinen Auktionsmechanismus. Die erste identifiziert Güterklassen mit unterschiedlichen Prioritäten und verwendet innerhalb dieser dann einen Ausschreibungsmechanismus, der die Erdgasintensität und die Substituierbarkeit der Güter berücksichtigt. Die zweite Option stellt die gesamte Erdgasquote ohne Priorisierung zur Versteigerung. Allerdings ist die konkrete Ausgestaltung nicht trivial, da zwischen Unternehmen Abhängigkeiten bestehen.
„Smart Meter“ und für die Gasversorgung?
Ein konkretes Tarifmodell, das den Haushaltsverbrauch senken könnte, kann den Forschern zufolge Anreize enthalten, den Gesamtverbrauch zu senken oder den Verbrauch vorübergehend an die aktuelle Netzlast anzupassen. Als Beispiel wird eine begrenzte Menge für einen vergünstigten Kauf angegeben – die administrative Umsetzung ist jedoch deutlich schwieriger als bei einem Bonusmodell. Auch die Netzkontrolle erfordert entsprechende Kontrollen (Stichwort: „Smart Meter“) und stellt den Datenschutz vor Herausforderungen.
Die Schlussfolgerungen des WIFO besagen, dass das Risiko einer deutlichen Verringerung der Gasverfügbarkeit in Österreich ohnehin hoch ist. Regelmäßiges Monitoring, zum Beispiel monatlich, wie viele erneuerbare Energiequellen am Netz sind, wie viel Gas im Vergleich zum bisherigen Durchschnitt eingespart wurde oder welche alternativen Liefermengen zur Verfügung stehen, kann nun bei der weiteren Planung helfen.
Die Wirtschaftskammer will einen Alpe-Adria-Infrastrukturgipfel
Wirtschaftskammerpräsident Harald Marer drängt derweil auf transnationale Lösungen zum Ausbau der Gasinfrastruktur, um verflüssigtes Erdgas (LNG) nach Österreich zu bringen – und er will einen Alpe-Adria-Infrastrukturgipfel initiieren, um das Energieproblem anzugehen, wie er sagt Das berichteten die Salzburger Nachrichten, der Kurier und die Presse (Donnerstagausgaben). Marer denkt über eine „Alpen-Adria-Gasstrategie“ zusammen mit Kroatien und Italien nach, wo es entsprechende Terminals gibt.
Die Alpe-Adria-Gaspipeline wird auch jene Länder betreffen, die bisher über Österreich mit russischem Gas versorgt wurden. Daher brauche es ein gemeinsames Verständnis und einen gemeinsamen Plan von Italien, Österreich, der Tschechischen Republik, der Slowakei und Ungarn, so Marer weiter. Italien hat sich bereits inoffiziell an Österreich gewandt.
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