Germany

GUTEN MORGEN – G´scheiter dann | kollektive Unfähigkeit

„Im Nachhinein ist man immer klüger“ – einer der dümmsten Sprüche. Erstens ist man keineswegs immer klüger. Zweitens dient es als billigste Entschuldigung für Fehler – denn wer hätte vorhersehen können, dass dies passieren würde. Zum Beispiel mit der Komplettversorgung Österreichs bis Putins Russland für Gaslieferungen. Wer hätte, so die schwache Verteidigung, damit gerechnet, dass Putin jemals seine Gaskäufer erpressen würde? Tatsächlich wollten viele Führungspersönlichkeiten in Österreich kein Risiko sehen. Ganz im Gegenteil: Sie banden sich viel enger an Russland – mit einem unwiderruflichen Liefer- und vor allem Abnahmevertrag bis 2040. Und wer vor dieser Abhängigkeit und Einseitigkeit warnte, wurde ignoriert – wie der damalige OMV-Chef Gerhard Reuss 2015 musste er dem deutschen engen Freund Rainer Seele weichen. Gestern wurde Reuss in den ÖVP-Korruptionsausschuss geladen, wo er bereitwillig Auskunft gab. Etwa darüber, wie ihm der damalige Chef der ÖIAG, Siegfried Wolff, der sich selbst stark mit Russland beschäftigte, erklärte, dass sein Kurs, sich mehr an Norwegen als an Russland zu orientieren, falsch sei. Außerdem würde er niemals einen Vertrag mit Gazprom abschließen, wie ihn sein Nachfolger Seele abgeschlossen hat. Royce war natürlich nicht der Einzige, der warnte, auch andere scheiterten früh und vorher. Aber Russland- und Putin-Skeptiker waren in Österreich nie wirklich gefragt. Manche sagen: Auch heute noch.