Stand: 27.05.2022 14:04
Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen. Symptome wie Herzklopfen (Tachykardie) oder Palpitationen treten nicht immer auf. Rhythmuspatches und Smartwatches mit EKG-Funktion versprechen eine bessere Früherkennung.
Mit Vorhofflimmern landen 300.000 Menschen in Deutschland jedes Jahr beim Arzt oder Krankenhaus. Die Ohren flackern nur noch und bewegen sich nicht mehr richtig. Dadurch kann das Blut dort Gerinnsel bilden und mit dem Blutstrom zum Gehirn wandern. Dann gibt es einen Schlaganfall. Um dieses Risiko auszuschließen, ist es wichtig, die Krankheit rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Warum bleibt Vorhofflimmern oft unbemerkt?
Vorhofflimmern bleibt oft lange unbemerkt. Die zwei wichtigsten Gründe:
- Vor allem am Anfang tritt Vorhofflimmern oft nur in minuten- oder mehrstündigen Anfällen auf, auch nachts. Beim Routine-EKG schlägt das Herz wieder ganz normal. Um Vorhofflimmern jedoch diagnostizieren zu können, muss es mit einem qualitativ hochwertigen EKG dokumentiert werden.
- Bei älteren Menschen fehlen oft die typischen Symptome von Herzrasen oder Herzrasen. Einige Herzzellen im sogenannten AV-Knoten arbeiten in ihnen langsamer, sodass sie sich weniger ängstlich in ihrem Herzen fühlen. Es gibt eher unspezifische Anzeichen wie Schwindel oder Schwäche. Brustdruck, Herzklopfen und Atemnot können ebenfalls Anzeichen für Vorhofflimmern sein. Denn wenn die Vorhöfe nur flimmern, sinkt die Herzfrequenz um 15 Prozent. Vorgeschädigtes Herz mit Arterienverkalkung in den Herzkranzgefäßen kann dies nicht kompensieren und schlägt Angstzustände.
Rhythmus-Patches und Smartwatches zur Früherkennung
Daher sind Langzeitaufzeichnungen wichtig. Ein neues mobiles Rhythmus-Patch könnte in Zukunft helfen. Und auch für die Früherkennung werden Smartwatches immer wichtiger. Da Vorhofflimmern früher erkannt wird, sind Antikoagulanzien („Blutverdünner“) eine gute Möglichkeit, Schlaganfällen vorzubeugen.
Langzeit-EKG und Ereignisaufzeichnung bei Herzrhythmusstörungen
Bisher wird hauptsächlich das klassische Langzeit-EKG verwendet. Das Gerät zeichnet den Rhythmus für 24 Stunden oder sieben Tage auf. Zur Messung werden Elektroden auf der Haut angebracht. Allerdings ist es nicht immer möglich, Arrhythmien in dieser kurzen Zeit zu erkennen. Es gibt auch eine Aufzeichnung von Ereignissen. Ein Gerät, das Patienten drei Monate lang mit sich führen können. Wenn eine Arrhythmie auftritt, können Sie dieses Gerät auf die nackte Haut Ihres Oberkörpers halten, eine Taste drücken und 30 Sekunden lang ein EKG aufzeichnen.
Es gibt auch implantierbare Loop-Recorder (ILRs), die unter der Haut platziert werden, um das Herz kontinuierlich zu überwachen und seltene anormale Herzrhythmen zu erkennen, selbst wenn das Herz nicht klagt. Sie werden zum Beispiel nach einem Schlaganfall eingesetzt, um festzustellen, ob Vorhofflimmern Ursache und Risiko für einen erneuten Schlaganfall ist. Doch die Methode führt oft zu Fehlalarmen, ist invasiv und teuer.
Rhythmus-Patch für Langzeitaufnahmen
Um Herzrhythmusstörungen zu erkennen, die noch keine Symptome verursacht haben, testete die Universität Göttingen ein mobiles Rhythmuspflaster, das auf die Brust geklebt wurde und zwei Wochen lang mit einem integrierten EKG-Aufzeichnungsgerät die Herzfrequenz aufzeichnete. Die lange Aufzeichnungsdauer ermöglicht die Erkennung von Vorhofflimmern für kurze Zeiträume. Zudem stellt das Pflaster keine Einschränkung im Alltag der Betroffenen dar. Erste Ergebnisse des noch in der Erprobung befindlichen Pflasters zeigen, dass es von der Gruppe der älteren Bluthochdruckpatienten gut vertragen wird: Vorhofflimmern wird zehnmal häufiger festgestellt als bei klassischen Untersuchungsmethoden.
Smart Watch: Herzschlag kann jederzeit aufgezeichnet werden
Arrhythmien lassen sich auch anders aufzeichnen: mit einer Smartwatch mit EKG-Funktion. Diese sogenannten Wearables nutzen für das EKG den elektrischen Impuls, der durch jeden Herzschlag ausgelöst wird. Der Messvorgang dauert ca. 30 Sekunden und sollte reibungslos ablaufen. Anschließend kann das EKG auf dem Handy gespeichert und die Daten von einem Arzt ausgewertet werden. So können Betroffene bei Symptomen ein EKG erstellen. Experten warnen jedoch davor, dass Patientendaten auch für die Ärzteschaft zu einem unübersichtlichen Datenstrom werden könnten. Tatsächlich lässt sich Vorhofflimmern laut der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie mit einer Smartwatch mit über 90-prozentiger Sicherheit erkennen. Zu den Herstellern von Smartwatches, die diese EKG-Funktion in ihren Uhren haben, gehört neben Samsung und Apple auch das amerikanische Unternehmen Fitbit.
Rhythmus-Patches und Wearables werden noch getestet und entwickelt. Aber diese mobilen externen EKG-Systeme werden immer leistungsfähiger und breiter verfügbar. Aufgrund ihrer einfachen Handhabung werden sie in Zukunft immer wichtiger.
Experten zum Thema
KardiologeKlinik und Klinik für Pneumologie Universitätsmedizin Göttingen Georg-August-UniversitätRobert-Koch-Str. 40 37075 Göttingen www.herzzentrum.umg.eu
Universitäts-Herzrhythmologiezentrum Freiburg, Bad Crozingen Klinik für Kardiologie und Angiologie II Südring 1579189 Bad Crozingen
Direktor Institut für Allgemeinmedizin Universitätsmedizin Göttingen Humboldtallee 3837073 Göttingen
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Besuch 31.05.2022 | 20:15
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