Stand: 09.06.2022 15:43 Uhr
Die Gewerkschaft ver.di rief am Nachmittag zu Warnstreiks in allen großen deutschen Seehäfen auf, um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. Betroffen sind neben Hamburg auch die Häfen Emden, Bremen, Bremerhaven und Wilhelmshaven.
Die Mitarbeiter werden aufgefordert, am Nachmittag alle großen Terminals herunterzufahren. Alles in den Häfen soll in wenigen Stunden stehengeblieben sein. Laut ver.di wollten sich viele Hafenarbeiter in Hamburg gegen 15 Uhr vor dem Terminal Burchardkai in Waltershof versammeln. In Bremen und Niedersachsen ist der Umschlag von Containerfracht und Straßenspediteuren lahmgelegt.
1.000 Hafenarbeiter in Bremerhaven haben vor Streik gewarnt
Rund 1.000 Beschäftigte nahmen nach Gewerkschaftsangaben in Deutschlands zweitgrößtem Hafen Bremerhaven teil. Mehr Containerschiffe wurden diesen Angaben zufolge in der Spätschicht in Stromkaye nicht be- oder entladen. „Alle Brücken stehen still“, sagte ein ver.di-Sprecher. Auch die Beladung des Autos ist davon betroffen.
Ver.di will “echten Inflationsausgleich”
Angesichts einer Gesamtinflationsrate von fast acht Prozent fordert Ver.di unter anderem einen nicht näher bezeichneten „Ist-Inflationsausgleich“ und eine Erhöhung der Stundenlöhne um 1,20 Euro für rund 12.000 Beschäftigte in 58 Tarifbetrieben in Niederösterreich Sachsen, Bremen und Hamburg. „Das bisherige Angebot der Arbeitgeber ist völlig unzureichend“, so die Gewerkschaft. Während der Corona-Pandemie arbeiteten die Hafenarbeiter mit voller Kapazität, manchmal sogar noch mehr.
AUDIO: Warnstreik im Hafen (1 Min.)
Arbeitgeber: Die geplante Entlastung reicht
Bisher bot der Arbeitgeber zwei Erhöhungen in diesem und im nächsten Jahr um 3,2 und 2,8 Prozent sowie Einmalzahlungen in Höhe von insgesamt 600 Euro an. Der Zentralverband Deutscher Seehafenbetriebe (ZDS) hat bestätigt, dass das Angebot in Verbindung mit einer Reihe von von der Bundesregierung beschlossenen Erleichterungen die Inflation ausgleichen wird.
Gestörte Lieferketten: „Warnstreiks sind unverantwortlich“
„Wir fordern die Bundestarifkommission ver.di auf, von Streiks abzusehen und auf Basis unseres guten ersten Angebots zu verhandeln“, sagte ZDS-Verhandlungsführerin Ulrike Riedel. “Der Aufruf zum Warnstreik ist jetzt absolut verantwortungslos.” Durch weltweit unterbrochene Lieferketten befindet man sich ohnehin mitten in einer absoluten Extremsituation. „Auf der einen Seite kommt eine große Welle verspäteter Schiffe auf uns zu, auf der anderen Seite gibt es große Engpässe im Schienengüterverkehr.
Nächste Gesprächsrunde am Freitag
In zwei Gesprächsrunden sind sich Gewerkschaft und Arbeitgeber bislang nicht nah gekommen, die nächste Runde soll am Freitag in Hamburg stattfinden. Dann wollen die Hafenarbeiter wieder demonstrieren – rund um den Barmbeker Bahnhof.
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Dieses Thema im Programm:
DDR 90,3 | NDR 90.3 Aktuell 09.06.2022 | 10:00 Uhr.
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