Der Krieg in der Ukraine lässt die Preise in vielen Bereichen steigen. 1,5 Millionen Menschen in Österreich gelten inzwischen als armutsgefährdet.
Der Krieg in der Ukraine und die Corona-Pandemie haben weitreichende wirtschaftliche Folgen für die Menschen in Österreich. Die Inflation liegt jetzt bei acht Prozent. Neben Strom, Gas und Miete sind Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs deutlich gestiegen. Ein Drittel von ihnen soll laut einer aktuellen Studie der JKU beim Einkaufen deutlich eingeschränkt sein, berichtete „Heute“.
Ein Drittel sollte beim Einkaufen begrenzt werden
1.519.000 Menschen in Österreich gelten mittlerweile als armutsgefährdet. Konkret bedeutet dies, dass die Haushaltseinkommen dieser Menschen unterhalb der sogenannten Armutsgrenze liegen. Besonders betroffen sind laut Armutskonferenz Kinder, ältere Frauen, Alleinerziehende, Langzeitarbeitslose und Staatenlose.
Die Armutskonferenz ist ein Netzwerk sozialer Organisationen sowie Bildungs- und Forschungseinrichtungen zur Armutsbekämpfung. Zu den 44 Mitgliedern gehören Caritas, Diakonie, Volkshilfe und das Österreichische Rote Kreuz.
Die Grenze liegt bei 1371 Euro pro Monat
Die Armutsgefährdungsschwelle (60 Prozent des Durchschnittseinkommens) liegt derzeit bei 1.371 Euro pro Monat pro Haushalt und Person (12 Mal pro Jahr). Vor zwei Jahren lag dieser Wert noch bei 1.286 Euro. Bei Alleinerziehenden mit einem Kind liegt die Schwelle bei 1783 Euro, bei zwei Erwachsenen in einem Haushalt bei 2057 Euro. Als armutsgefährdet gilt eine vierköpfige Familie (zwei Erwachsene + zwei Kinder) mit einem Einkommen von 2.880 € im Monat.
Die oben genannten Zahlen stammen jedoch aus dem Jahr 2021. Die Zahlen für dieses Jahr werden erst ermittelt, daher sind die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine und der Inflation noch nicht berücksichtigt.
Denken Sie an andere Faktoren
„In Österreich, wie in jedem EU-Land, liegt die Einkommensarmutsgrenze bei 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltseinkommens pro Kopf. Dieser Betrag ist als Zwölftel des Jahreseinkommens zu verstehen, da „Einkommen“ wiederum Nettoeinkommen bedeutet. Es geht um das tatsächlich zur Verfügung stehende Einkommen inklusive aller Sozialleistungen nach Steuern und Sozialabgaben“, sagte Martin Schenk, Sozialexperte der Diakonie und Mitbegründer der Armutskonferenz, gegenüber Hoyte.
Martin Schenk ist Sozialexperte der Diakonie und Mitbegründer der HANS PUNZ/APA/picturedesk.com Armutskonferenz
Dies ist jedoch nur ein Richtwert zur Bestimmung des Armutsrisikos. Neben dem Einkommen müssen auch die Lebensumstände der Menschen berücksichtigt werden. Auch andere Indikatoren wie soziale und materielle Ausgrenzung oder Entbehrungen spielen laut Schenk eine Rolle: sind unerreichbar, etwa eine Waschmaschine oder ein Handy.“
„Armut bedeutet immer auch Chancenlosigkeit“
Dazu gehören Menschen, die aus finanziellen Gründen auf einen Kaffee oder einen Film mit Freunden verzichten müssen oder die nicht in den Urlaub fahren können. „Armut bedeutet immer auch Chancenlosigkeit. Von Armut Betroffene haben geringe Einkommen, schlechte Bildungschancen, sind häufiger krank und können nur eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen“, sagt Schenk.
Laut Armutskonferenz sind fast ein Viertel aller von Armut und Ausgrenzung bedrohten Personen Kinder (368.000 im Alter von 0 bis 17 Jahren). Auch Alleinerziehende und Personen mit Mindestrente sowie Langzeitarbeitslose sind stark betroffen. „Die wenigsten haben 1.300 Euro zur Verfügung. Die Sozialhilfe beträgt 900 Euro. Viele lägen unterhalb der sogenannten „Armutslücke“, erklärt der Sozialexperte.
Für Menschen, die bereits armutsgefährdet sind, haben steigende Preise dramatische Folgen. Laut Statistischem Bundesamt waren die Wohnkosten Ende 2021 bereits für rund 825.000 Menschen eine große finanzielle Belastung.
“Familienleistungen und Arbeitslosengeld werden seit 20 Jahren nicht mehr angepasst”
Die Armutskonferenz fordert daher wirksame und nachhaltige Maßnahmen. „Familienleistungen, Arbeitslosengeld oder Notstandsgeld werden seit 20 Jahren nicht mehr an die Inflation angepasst. Die Betroffenen müssen sich mit immer weniger zufrieden geben. heute dürfte er etwa 30 Prozent höher liegen. Der Staat kann die Ausgleichszulage auch um 70 Euro erhöhen. Inflationsbedingt kostet er nur 960 Euro. Das ist eine Wertminderung von 70 Euro“, sagt Schenk.
Ein weiteres großes Problem seien unbezahlbare Wohnungen. „Vor allem in größeren Städten steigen die Wohnkosten seit Jahren deutlich an. In den sozialen Wohnungsbau zu investieren wäre sinnvoll, da es in weiten Teilen Österreichs noch Nachholbedarf gibt.“
Voraussetzung ist ein einkommensabhängiger Ökobonus
Auch die Armutskonferenz setzt sich für einen einkommensabhängigen Ökobonus ein. Dieser kann den aktuellen regional gerankten Klimabonus ersetzen oder ergänzen. Unter dem derzeitigen Governance-Modell wären manche Menschen eher belastet als erleichtert.
Vanessa Lechinger von der Wirtschaftsuniversität Wien schlug kürzlich auf einer Pressekonferenz ein Modell vor, bei dem Personen mit einem Jahreseinkommen bis 31.000 Euro unabhängig von ihrem Wohnort 190 Euro im Jahr erhalten. Übersteigt das Einkommen diese 31.000 Euro, soll der Bonus sukzessive sinken.
Nav-Konto str Zeit04.06.2022, 06:36 | Akt: 04.06.2022, 06:36
Add Comment