Stand: 15.08.2022 19:43
Der Rundfunkrat des Rundfunks Berlin-Brandenburg hat Patricia Schlesinger als künstlerische Leiterin abberufen. Sie trat nach zahlreichen Vorwürfen als Stationschefin zurück. Der Vorstand muss nun die Einzelheiten der Vertragsauflösung klären.
Der Rundfunkvorstand des rbb hat Patricia Schlesinger als künstlerische Leiterin mit sofortiger Wirkung abberufen. Kommissionsvorsitzende Friederike von Kirchbach sagte, die Gründe lägen „in der Persönlichkeit“ von Patricia Schlesinger. Sie rechtfertigten sich mit einer außerordentlichen Kündigung. Die Entscheidung wurde mit 22 Stimmen für die Entlassung und einer Enthaltung ohne Gegenstimmen getroffen.
Formal leitet die Entscheidung die Kündigung des Vertrages ein. Als nächstes kommt der Vorstand des rbb. Kirchbach sagte, er könne sich zu Details wie möglichen Entschädigungen oder möglichen Schadensersatzansprüchen des Senders gegen Schlesinger nicht äußern.
Friederike von Kirchbach, Vorsitzende des Rundfunkvorstandes des rbb, zur Kündigung von Patricia Schlesinger
15.08.2022 19:18 Uhr
Vorwürfe der Vetternwirtschaft und Günstlingswirtschaft
Schlesinger trat nach Vorwürfen der Vetternwirtschaft und Günstlingswirtschaft zurück. Wenige Tage zuvor hatte sie sich bereits als ARD-Chefin zurückgezogen. Schlesinger bestreitet alle Vorwürfe.
Im Prozess geht es um Details wie umstrittene Beraterverträge für ein inzwischen ins Stocken geratenes rbb-Bauvorhaben, Schlesingers teuren Dienstwagen mit Massagesitz, Catering von Gästen in ihrer Privatsuite auf Kosten des rbb, Schlesingers satte 16-prozentige Gehaltserhöhung auf 303.000 Euro plus a Prämiensystem für Führungskräfte, das der Sender bisher geheim gehalten hat. Auch die Renovierung der Chefetage mit teuren Möbeln für 1,4 Millionen Euro sorgte für Unmut.
Der Einreicher reicht die Dateien an die Ermittler ein
Auch gegen Schlesinger und andere ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft. Nach Informationen der rbb-internen Recherche hat der Sender elektronische Akten und E-Mail-Postfächer von Direktion, Rechtsdirektion, Verwaltungsdirektion und Kommissionsdienst sichergestellt und der Staatsanwaltschaft Berlin übergeben.
Der Herausgeber verlangt die Offenlegung aller Boni
Bereits vor der Sitzung des Hörfunk- und Fernsehrates forderte der Redaktionsausschuss des rbb, alle intern vereinbarten Prämien gegenüber dem Sender offenzulegen. In der Aussage “Alles offen!” Die Mitglieder forderten den Rundfunkrat auf, bei seiner Sitzung sein Bestes zu geben, um alle Verträge, Prämien, leistungsabhängigen Gehaltsbestandteile, Prämien, Geschäfts-, Wirtschafts- und Sonderberichte des Senders offenzulegen. Auch der Rundfunkrat muss Verantwortung übernehmen – fraglich ist, wie es dazu kommen konnte, dass offenbar alle Kontrollmechanismen versagt hatten.
rbb-Intendant Schlesinger wurde vom Rundfunkrat gewählt
Torsten Gabriel, RBB 15.08.2022 19:11 Uhr
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