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La Strada entdecken: Im Opernhaus Graz treffen Wunder und Wirklichkeit aufeinander

„Fellinesk“ – nur wenigen Künstlern wurde die Ehre zuteil, ihren Namen zum Adjektiv mutieren zu lassen. Einer von ihnen ist der italienische Regisseur Federico Fellini (1920 – 1993). „Fellinesk“ beschreibt seine überschwänglichen, oft surrealistischen Bildschöpfungen, in denen sich Realität und Fantasie verflechten, wo überschwängliche Formen, skurrile Dekore und grelle Farben auf die strenge italienische Realität prallen. Begegnung von Wunder und Wirklichkeit. Es gab einen Künstler, der Fellini mitgeprägt hat: Nino Rota, ein 1911 geborener Komponist, der bis zu seinem Tod 1979 die Musik für jeden Fellini-Film schrieb. Rota schuf Melodien, die unvergessen bleiben – Musik zwischen Folklore und Zirkus, zwischen tiefer Romantik und greller Pop, zwischen Groteske und Tragödie. 1954 schrieb er eine tränenreiche Trompetenmelodie für “La Strada”, das ergreifendste Roadmovie der Kinogeschichte, das weltberühmt wurde.

Nicht umsonst trägt das vor 25 Jahren gegründete Straßentheaterfestival La Strada denselben Namen wie dieser Film. Die Idee, die Inspirationsquelle mit einem großen Jubiläumsprojekt zu ehren, war gar nicht so weit hergeholt. Festivalleiter Werner Schrempf und Komponist Christian Mutspiel pilgerten vor 40 Jahren gemeinsam ins Kino, als ein neuer Fellini herauskam. Nun also gibt es späte Echos dieser Erlebnisse: Muthspiel schrieb für die Eröffnung „Muisk“, die sich auf Fellini und Rota bezieht, „La Melodia della Strada“. Für seine Schöpfung, die heute im Grazer Opernhaus uraufgeführt wird, hat sich Mutschpil sozusagen in Fellinis Welt eingelebt. „Während der Monate, in denen ich die Musik komponierte, habe ich mir ständig Fellini-Filme angesehen.“ Das Gefühl, in diesen Filmen „drin zu sein“, blieb nicht ohne Folgen: „Nino Rota war beseelt von der Sehnsucht nach der Melodie. Es gab mir den Mut, mich an Melodien zu wagen. Und das hat die Lust am Theatralischen und Emotionalen geweckt.“ Christian Mutspiel vermeidet bewusst wörtliche Zitate über die Musik, die er für sein Orjazztra schreibt: „Es gibt mehr Anspielungen, Stilzitate im Sinne meines Umgangs mit Melodien und Kontrapunkt. „Wichtig waren die Assoziationen, die beim Hören und Sehen der Filme aufkamen. Die assoziative Herangehensweise ist der Herangehensweise Rotas an Fellinis Filme sehr ähnlich. Er verbrachte Stunden im Schneideraum, um ein Gefühl für die Bildsprache und den Rhythmus zu bekommen. Federico Fellini selbst beschrieb Rota als eine Art Rätsel, als einen Künstler, der einerseits realitätsfern wirkt, aber dennoch sehr präsent ist. Der Regisseur fühlte eine Art spirituelle Verbindung zwischen sich und dem Komponisten, eine Verbindung, die nur wenige Worte brauchte.