Auf . – 19.05.2022 10:48 (akt am 19.05.2022 10:48)
Missbrauch im Kindergarten: Auf der Suche nach verbindlichen Standards © pixabay.com (Symbolbild)
Gegen eine Kindergärtnerin in Wien-Penzing wird derzeit wegen Kindesmissbrauchs ermittelt. Am Donnerstag forderten Kinderschutzorganisationen verbindliche Kinderschutzstandards.
Solche Konzepte würden beispielsweise die Sicherheit erhöhen, ein klar geregeltes Vorgehen bei Verdachtsfällen ermöglichen und den Mitarbeitern der Organisation Sicherheit in ihrem Handeln geben.
Konzept der Suche nach Kinderschutz
Übergriffe und Gewalt kann es überall dort geben, wo Erwachsene mit Kindern leben oder arbeiten – in unmittelbarer Nähe von Kindern und in Organisationen und Einrichtungen, in denen Kinder untergebracht oder ausgebildet und überwacht werden, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der Österreichischen Kinderschutzzentren und des Arbeitskreises der Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung (ECPAT Austria) in einer gemeinsamen Sendung.
Organisationen und Institutionen könnten dieses Risiko jedoch verringern, indem sie ein umfassendes Kinderschutzkonzept entwickeln. Auch wenn das Restrisiko bestehen bleibt, sind die Maßnahmen des Kinderschutzkonzepts ein bewährtes Mittel zum institutionellen Schutz des Kindes.
„Kinderschutzkonzepte basieren auf einer umfassenden Risikoanalyse und präventiven Maßnahmen im Personalwesen, wie beispielsweise Einstellungskriterien, einem erweiterten Strafregisterauszug und einem Verhaltenskodex, dem alle Mitarbeiter durch Unterzeichnung zustimmen. Sie beinhalten und regeln auch das gesamte Beschwerde- und Maßnahmensystem der internen und externen Kommunikation, das Vorgehen bei Gewaltverdacht“, erläuterte die Geschäftsführerin von ECPAT Astrid Winkler.
Klare Regeln im Verdachtsfall
Die Konzepte würden auch im Zweifel klar geregelte Vorgehensweisen vorsehen. „Im Kinderschutzkonzept wird das Vorgehen bei Verdachtsfällen individuell von jeder Organisation für unterschiedliche Szenarien im Vorfeld betrachtet und geplant“, erklärt Martina Wolf, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Österreichischer Kinderschutzzentren. Dazu gehört, dass Mitarbeiter zwischen Grenzverletzungen und Gewalt unterscheiden können und wissen, an wen sie sich im Falle eines „Innerverdachts“ (gegen einen Mitarbeiter) wenden können, der darüber informiert werden muss, was und welche Schritte konsequent zu unternehmen sind.
Ein solcher Notfall- oder Krisenplan würde auch deutlich machen, in welchen Situationen externe Unterstützung benötigt wird, beispielsweise durch eine Opferschutzorganisation. Auch die interne Kommunikation mit Eltern, die ihre Kinder einer Organisation anvertrauen, sei ein wesentlicher Bestandteil und Transparenz eine wichtige Grundhaltung im Kinderschutz, wurde betont. „Ziel ist es, das betroffene Kind und alle direkt oder indirekt betroffenen Kinder stets im Auge zu behalten und die Organisation zu einem sicheren Ort für Kinder zu machen“, so Wolf.
Verdacht auf Misshandlung in einem Wiener Kindergarten
Anfang der Woche war klar geworden, dass vor 13 Monaten eine Erzieherin ein Kind in einem städtischen Kindergarten missbraucht hat, nun gibt es womöglich zwei weitere Fälle. Nach Bekanntwerden wurde eine Staatsanwaltschaft bestellt und der Mann überstellt. Die Eltern der anderen Kinder erhielten jedoch keine Informationen, dies geschah erst kürzlich. Im Auftrag der Stadt prüft nun eine Kommission den Fall und mögliche Fehler, die am Mittwoch erstmals zusammentrat.
Außerdem ist für den heutigen Donnerstagabend ein Elternabend für die Familien im betroffenen Gebiet geplant. Auf Wunsch der Eltern soll dies unter Ausschluss des (Medien-)Publikums erfolgen.
Scharfe Kritik an MA10
Die Arbeit der für Kindergärten zuständigen Stadt- bzw. Magistratsabteilung 10 (MA 10) zu dem Thema ruft seit Tagen scharfe Kritik hervor. Zum einen geht es darum, dass die Eltern so viele Monate später über den Missbrauchsverdacht informiert wurden, zum anderen fühlen sich die Eltern offenbar mit der Situation allein gelassen.
„Zunächst wird Hilfe für die Kinder benötigt, aber nichts passiert“, sagte eine Mutter, die anonym bleiben wollte und deren Kind zeitweise von der mutmaßlichen Erzieherin betreut worden sein soll, berichtete die Presse. (Donnerstag). MA 10 ist nicht erreichbar und wenn ja, dann wird nur auf gemeinsame Rufnummern umgestellt. Niemand kontaktierte sie aktiv. “Wir haben nur ein Flugblatt eines auf sexuelle Gewalt spezialisierten Vereins bekommen, in dem steht, wie wir jetzt mit unseren Kindern umgehen sollen”, sagte sie der Presse empört.
Die Leiterin der MA 10, Daniela Kohlar, hat in den vergangenen Tagen Vertuschungsvorwürfe zurückgewiesen. Laut Medienberichten sagte sie, es werde von Fall zu Fall entschieden, wie Informationen bereitgestellt würden. Im Gespräch mit der APA betonte Kohlar, dass man alles tue, um Licht ins Dunkel zu bringen: „Wir nehmen das sehr ernst.“
Ein Rechtsanwalt vertritt fünf Wiener Ehepaare
Nun schaltete sich ein Anwalt ein. Johannes Bügler vertritt nun fünf Elternpaare, deren Kinder in der Einrichtung betreut werden. Nach Angaben der Eltern würden die Kinder Symptome einer möglichen Gewalt zeigen. Ob sein Mandat die drei Verdächtigen und bisher bekannte Fälle umfasst, wisse er noch nicht, wie er der APA sagte, da er die entsprechenden Akten noch nicht einsehen konnte.
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