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„Niemand sollte auf eine schnelle Genesung hoffen“

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Erstellt: 07.07.2022 05:02 Uhr

Von: Niklas Hecht, Alexander Gottschalk

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Der Sommer 2022 wird ein Sommer des Chaos am Frankfurter Flughafen. Lufthansa wegen Leerflug kritisiert. Der Newsticker.

+++ 17.15 Uhr: Die Serviceprobleme am Frankfurter Flughafen werden nach Angaben von Fraport-Chef Stefan Schulte noch einige Monate andauern. Laut einem dpa-Bericht sagte Schulte am Dienstagabend, dass das aktuelle Niveau noch zwei bis drei Monate gleich bleiben werde und auch andere Flüge gestrichen werden müssten. In Zusammenarbeit mit dem Hauptkunden Lufthansa wurden in Frankfurt bereits mehrere hundert Flüge für die Monate Juli und August gestrichen. Dies sei notwendig, um das System stabil zu halten, sagte der Fraport-Chef. „Bisher haben wir das totale Chaos vermieden.“ Und mit dem bevorstehenden Beginn der Schulferien in Hessen und Rheinland-Pfalz warnte er davor, dass sich die Situation noch verschärfen könnte: „Die Sommerspitzen stehen noch bevor.“

Vor allem beim Gepäck gebe es relativ viele Verspätungen und lange Wartezeiten, wofür sich Schulte bei den Passagieren entschuldige, schreibt dpa. Schulte räumte ein, die Entwicklungen im Zuge der Coronakrise falsch eingeschätzt zu haben. Allerdings lässt sich die Abwanderung Geringverdiener auch mit einer Erhöhung des Teilzeitgeldes nicht verhindern, da auch diese Personen auf Schichtzulagen angewiesen sind. Sie würden sich Arbeit in anderen Branchen suchen. Fraport hat laut Schulte seit Spätsommer 2021 fast 1000 neue Leute eingestellt, braucht aber noch ein paar hundert mehr.

In letzter Zeit bleiben immer mehr Plätze in Lufthansa-Maschinen leer. © DANIEL ROLAND/afp

Chaos am Frankfurter Flughafen: Aufregung um leeren Lufthansa-Flug

Update vom Mittwoch, 6. Juli, 14.03 Uhr: Am Frankfurter Flughafen herrscht wegen massiven Personalmangels seit Wochen Chaos. Auch die Lufthansa trägt in der Hochsaison zur Verwirrung am Frankfurter Flughafen bei. Fluggesellschaften streichen zunehmend geplante Passagierflüge und lassen stattdessen Flugzeuge ohne Passagiere an Flughäfen anfliegen, behauptet das Branchenportal Aviation.Direct.

Der Lufthansa-Flug LH202 von Frankfurt nach Berlin wurde kürzlich von der Fluggesellschaft kurzfristig gestrichen. Per Lautsprecher teilte Lufthansa Passagieren in Frankfurt mit, dass der Flug nach Berlin gestrichen worden sei. Tatsächlich flog die Maschine in die Hauptstadt – allerdings ohne Passagiere. Lufthansa begründete den Leerflug gegenüber Aviation.Direct damit, dass die Maschine für einen stabilen Flugplan in Berlin positioniert werden müsse.

Flughafen Frankfurt: Ehemaliger Bild-Chef von Flugausfall betroffen

Betroffene Passagiere hätten nach der Flugannullierung keine Unterstützung von Lufthansa erhalten, so Aviation.Direct weiter. Die Fluggesellschaft konnte ihren Passagieren nach der Annullierung weder Hotelzimmer noch Bahntickets zur Verfügung stellen. Zumindest die gekauften Bahntickets können Lufthansa zur Erstattung überlassen werden.

Einige Passagiere des Fluges LH202 zeigten sich sichtlich verärgert über die schlecht kommunizierte Absage, wie am Beispiel des ehemaligen Bild-Chefs Kai Diekmann, der ein Ticket im Flugzeug gehabt hätte, und reagierten auf Twitter sichtlich emotional auf die Absage. „Bitte sagen Sie mir, dass das nicht wahr ist …“, schrieb er an die Lufthansa, die sich „vielfach für die verursachte Verwirrung“ entschuldigte.

Chaos am Frankfurter Flughafen: „Das System ist ziemlich marode“

+++ 15.11 Uhr: Das Chaos im Luftverkehr ist nach Angaben der Gewerkschaft Verdi die Folge des harten Wettbewerbs in der Luftfahrtbranche. Die Probleme seien schon vor der Corona-Pandemie sichtbar gewesen, sagte Verdi-Vize Christine Bell am Dienstag (5. Juli) der dpa. „Die Arbeitgeber haben die Kurve zu weit getrieben, deshalb will kaum noch jemand in der Luftfahrt arbeiten“, kritisierte der Gewerkschafter. „Das System ist ziemlich krank. Die Tickets decken die Kosten nicht und wir arbeiten im Untergrund. Jemand muss bezahlen, um zu fliegen. Bisher war es das Personal. So kann es nicht bleiben.”

An vielen Flughäfen, wie dem Flughafen Frankfurt, herrscht ein enormer Personalmangel, der im Sommer 2022 zu Verspätungen, Flugausfällen und langen Wartezeiten führen wird, dessen Behebung aber Monate dauern wird. Den Grund dafür sieht Verdi in jahrzehntelangen Missbräuchen, etwa den „billigsten Ausschreibungen“ bei der Flugzeugabfertigung, einem kontinuierlichen Lohnverfall und der Zersplitterung verschiedener Dienstleistungen, die zu massiven Kontrollproblemen an europäischen Flughäfen führen würden.

Der Luftfahrtindustrie stehen harte Zeiten bevor. © Patrick Pleul/dpa

Personalmangel am Frankfurter Flughafen: „Unternehmen haben Chance gewittert“

Erschwerend kommt hinzu: Die Fluggesellschaften und Flughafenbetreiber haben nicht nur nach Angaben des Betriebsverbandes geurteilt. Die Nachfrage nach Flugreisen ist seit der Corona-Krise schneller gestiegen als erwartet. Bereits im Mai erreichten beispielsweise die Passagierzahlen in Frankfurt fast wieder das Vorkrisenniveau. Gleichzeitig wurden viele Stellen abgebaut. Bele: „Unternehmen sahen die Chance, erfahrene und dementsprechend teure Mitarbeiter loszuwerden. Man muss sich nicht wundern, wenn etwas nicht klappt.”

Verdi-Vertreter Bele zeigt sich besorgt über die Lage bei der Lufthansa. Durch die ständige Krankschreibung in einzelnen Einheiten höre man bis zu 40 Prozent. Auch physische und psychische Angriffe auf das Personal nehmen alarmierend zu. Verdi hofft, bald zu wissen, welche konkreten Schritte das Lufthansa-Management unternehmen sollte. Eine Lösung für die gesamte Branche wären entsprechende Tarifverträge aus gewerkschaftlicher Sicht.

Chaos am Frankfurter Flughafen: Fraport streicht Frachtflüge

Update vom Dienstag, 5. Juli, 10.15 Uhr: Der akute Personalmangel am Frankfurter Flughafen wirkt sich nun auch auf den Luftfrachtverkehr aus. Wie das brancheninterne Nachrichtenportal airliners.de berichtete, erzwang der Flughafen wegen fehlendem Bodenpersonal die vorübergehende Schließung mehrerer Frachtflüge an traditionell verkehrsreichen Wochenenden. Betroffen sind mehr als 30 Frachtflüge, darunter viele der Heimatfluggesellschaften von Lufthansa Cargo, die zwischen Freitag und Sonntag operieren sollen. Das teilte die Frankfurter Flughafenbetreiberin den Fluggesellschaften am Freitag mit.

Zudem werden nachfolgende Frachtflüge in den nächsten Wochen auf verkehrsärmere Tage verlegt. Die Maßnahme gilt zunächst bis Ende August und soll sicherstellen, dass der Flughafen Frankfurt den derzeit hohen Zustrom an Urlaubern bewältigen kann. Während der Corona-Krise hat der Flughafenbetreiber rund 4.000 Stellen gestrichen – jetzt fehlen sie, um alle Passagier- und Frachtflüge abzuwickeln. Es gibt immer lange Schlangen und Wartezeiten, besonders bei der Gepäckabfertigung. Fraport empfiehlt Passagieren, ausreichend Zeit für ihren Aufenthalt am Frankfurter Flughafen einzuplanen.

Chaos am Frankfurter Flughafen: „Wir hatten Angst, unseren Flug zu verpassen“

Erstmeldung von Montag, 4. Juli: Am Frankfurter Flughafen läuft derzeit viel zusammen. Die kronenbedingte Verkleinerung reagiert auf die wiederentdeckte Reiseleidenschaft der Reisenden. Immer wieder führt Personalmangel dazu, dass die Gepäckausgabe nicht funktioniert. Die erhöhte Corona-Erkrankungsrate verschärft die Situation an Deutschlands größtem Flughafen. Die Folgen sind lange Wartezeiten, annullierte Flüge und Frust bei den Passagieren.

Die Situation lässt die Passagiere natürlich nicht unberührt. „Ich habe fast vier Stunden auf meinen einen Koffer gewartet“, klagte der 62-jährige Reisebürochef kürzlich nach seiner Reise von Gran Canaria nach Frankfurt gegenüber Bild. Hunderte Menschen würden sich stundenlang mit ihm in der Halle aufhalten: „Die Kinder haben völlig erschöpft geweint, die Eltern waren nervös. Die Stimmung wurde von Minute zu Minute aggressiver.“

Fahrgäste bemitleiden das Personal

Laut Fahrgast war das Personal “wirklich bemüht”. Aber: „Es waren zu wenige.“ Zwei junge Frauen beschrieben im Urlaub auf Mallorca etwas Ähnliches wie eine Boulevardzeitung: „So etwas haben wir noch nie gesehen!“. Sie rannten um den Frankfurter Flughafen herum, aber wenn sie jemanden ansprachen, wurden sie zu einem anderen Schalter oder Mitarbeiter geschickt.

Am Frankfurter Flughafen warten Passagiere derzeit deutlich länger auf die Bearbeitung ihres Gepäcks. © Arne Dedert

Auch in den sozialen Medien hat sich die Lage am Frankfurter Flughafen aufgeheizt. Viele Nutzer beklagen lange Wartezeiten bei der Gepäckausgabe und kritisieren den großflächigen Stellenabbau während der Corona-Krise. „Es ist eine blöde Zeit für die, die dort arbeiten und noch mehr für uns Urlauber“, resümierte ein User die Kritik. Dem Fraport-Management wird oft “Misswirtschaft und Inkompetenz” vorgeworfen. Andere hingegen sehen dem Chaos gelassener entgegen: „Dann fährst du besser Auto und machst dir keinen Stress“, verweist eine Alternative auf den Flugzeugnutzer.

Flughafen Frankfurt: Stellenabbau mit schwerwiegenden Folgen

Während der Corona-Krise hat der Betreiber des Frankfurter Flughafens rund 4.000 Stellen gestrichen – der Personalmangel macht sich jetzt bemerkbar. Fraport arbeitet hart daran, neue Mitarbeiter einzustellen, aber es wird einige Zeit dauern, erklärt Gewerkschaftssekretär Verdi…