Veröffentlicht 8. Juni 2022, 15:17 Uhr
Ein junges Paar sucht verzweifelt nach einem Zuhause für sich und seine 26 Hunde. Die beiden haben bereits mehr als hundert Standorte besucht. Jetzt stehen sie kurz vor der Obdachlosigkeit.
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Regina (links) und Aurelia Kindler haben 26 Windhunde. Alle suchen ein neues Zuhause. „Aber bisher waren wir nur taub“, sagt Aurelia Kindler. Sie haben beide im Sinn – sie haben bereits über hundert Immobilien besichtigt. Überall erhielt ich eine Absage von den Eigentümern. Bis Sonntag brauchen sie ein neues Zuhause. Sonst sind sie obdachlos.
Privatgelände
Das Paar sucht ein Haus mit mindestens 700 Quadratmetern für sich und seine Windhunde. Frauen sind bereit, dafür bis zu einer halben Million Franken zu investieren.
Privatgelände
Aurelia (links) und Regina Kindler leben derzeit mit ihren Hunden in einer Garage in Rüscheg Hoibach im Kanton Bern. Hundert Kilometer entfernt sucht das Paar ein Haus für sich und seine Windhunde. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Haus zum Verkauf oder zur Miete steht.
Privatgelände
Aurelia und Regina Kindler suchen seit Monaten bewusst nach einem sehr kleinen Haus. Nichts anderes zählt für sie. Denn: Das Paar lebt mit 26 Windhunden zusammen.
„Niemand will unseren Hunden und uns ein Zuhause geben“, sagt Aurelia Kindler. Die Verzweiflung ihres Partners und ihr ist groß. Das Paar gibt zu, dass das Leben mit 26 Hunden nicht normal ist. Allerdings: Über ein Leben ohne Hunde kann nicht gesprochen werden. „Ihr seid unsere Familie. Die Arbeit unseres Lebens und unser Lebenszweck.”
Aufgrund ihrer Tierliebe gerieten Regina und Aurelia Kindler in eine Sackgasse. Sie verlassen ihr derzeitiges Zuhause am Sonntag, den 12. Und dafür sind sie eigentlich dankbar. Die beiden Frauen leben derzeit mit ihren Hunden in einer Scheune, die zuvor als Garage genutzt wurde. «Niemand in der Schweiz möchte in einer Garage wohnen», sagt Aurelia Kindler.
Endlich mit den Nerven
In diese deprimierende Situation geriet das Paar, weil ihr Traum vom Auswandern gescheitert war. „Wir wollten ein Haus in Frankreich kaufen. Alles war geregelt. Aber dann hat der Verkäufer das Angebot zurückgezogen“, sagte Kindler. Dann begann die Odyssee. Anstatt in Frankreich zu bleiben, übernachteten die beiden mit ihren Hunden bei einem Freund. Es wurde vereinbart, dass sie dort nur für eine bestimmte Zeit bleiben würden. Damals war das Paar noch optimistisch, ein Zuhause für sich und die Hunde zu finden. Daraus wurde nichts. Nach der Freundin zog das Paar in die Scheune ihres Bruders.
Aus Optimismus ist jetzt Verzweiflung geworden. Die beiden Frauen sind in Gedanken. Deshalb appellieren sie jetzt öffentlich: „An alle Menschen, die Tiere lieben: Habt ihr ein Haus mit Zaun, wo Tiere erlaubt sind? Dann melden Sie sich gleich bei uns“, so Aurelia Kindler. Bis zu einer halben Million Franken ist das Paar bereit, für ihr neues Zuhause zu bezahlen.
“Alle sagen, dass viele Hunde das Problem sind.”
Sie überprüften verschiedene Immobilien-Websites und sahen sich über hundert Objekte an. “Wir bleiben einfach taub”, sagte Kindler. Beide bekommen immer die gleiche Antwort: Viele Hunde sind ein Problem. Hundeliebhaber können das nicht verstehen. „Wir alle haben ein Recht auf ein Zuhause. Wir widmen unser Leben den Hunden. Wir beurteilen andere auch nicht nach ihrer Lebensweise.“
Die jungen Frauen hoffen, hundert Kilometer von Ostermundigen entfernt in ein Haus ziehen zu können, da sie beide in der Region arbeiten. Sie sind auf Arbeit angewiesen, weil sie mit Hunden kein Geld verdienen. „Vor 14 Jahren habe ich meinen Beruf zum Hobby gemacht. Ich habe Windhunde aufgezogen. Aber nicht heute. Es ist also keine Hunderasse. Es geht noch weniger um das Sammeln von Tieren“, sagt der gelernte Züchter. Um den Tieren gerecht zu werden, arbeiten beide bewusst im Schichtbetrieb. Hunde werden nie unbeaufsichtigt gelassen.
Die Tierschutzorganisation ist skeptisch
Der Dachverband der Berner Tierschutzorganisationen hat keine Informationen zur aktuellen Situation von Aurelia und Regina Kindler. Darauf angesprochen äußerte sich der Verbandspräsident skeptisch. „26 Hunde zu halten ist schwierig. Vor allem, wenn nur zwei dafür bezahlen müssen“, sagte Rolf Frischnecht. Tiere brauchen täglich mindestens eine Stunde Auslauf. Ob die Wachen den Anforderungen genügen, kann er nicht beurteilen. „Gut ist aber, dass eine der Frauen aufgrund ihrer Ausbildung über entsprechende Fachkenntnisse verfügt. Wir sind dankbar, wenn eine tierschutzgerechte Lösung gefunden wird“, so Frischnecht.
Kennen Sie ein Tier in Not?
Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)
Polizei, Tel. 117 (für Wildtiere)
GTRD, Rettungsdienst für Grosstiere, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)
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