Germany

Schicksale: Unser Leben mit Inflation

“Ich dachte, die Kassiererin hat sich geirrt”

Einmal in der Woche geht Elfriede L. auf den Markt. Und neulich stand sie im Supermarkt und dachte, die Kassiererin habe nicht richtig gerechnet. „Ich habe beim Kauf von Fleisch, Öl und Kaffee den gleichen Betrag bezahlt wie sonst auch, aber diesmal hatte ich das gar nicht“, sagt der Rentner. Seitdem bekommt es zunehmend die Auswirkungen der Inflation zu spüren. Sie erhält eine Rente von 1.200 Euro monatlich. Nachdem sie Miete, Strom, Gas und das Nötigste bezahlt hat, bleibt ihr fast nichts mehr. „Ich habe mein ganzes Leben lang gearbeitet, Kinder großgezogen und mich um meinen kranken Mann gekümmert. Ich dachte, es würde besser werden, wenn ich älter werde, aber jetzt, mit 80, muss ich kämpfen.“ Manchmal wollte Frau L. Kaffee trinken gehen. „Aber dann denke ich, das kann ich mir nicht leisten, das trinke ich zu Hause.“ Auch in ihrem Umfeld habe sie gemerkt, dass gespart werden müsse. Bei den Veranstaltungen, die sie mit dem Seniorenverein organisiert, sind fast keine Menschen. „Und die, die kommen, nehmen sich einen Becher und trinken Wasser aus der Toilette, weil sie sich die 50 Cent, die wir für Mineralwasser verlangen, nicht leisten können“, sagt Frau L. Sie wird es schon irgendwie schaffen. Die Generation der Kriegskinder wisse, was es heisst, zu retten, sagt sie. Sie macht sich nur Sorgen um ihre Enkel und Urenkel. Frau L. glaubt nicht, dass die Politik Lösungen für die Inflationskrise finden wird. „Politiker schauen sowieso nur auf sich selbst, die werden schnell vergessen.“ Als sie jung war, war das noch ganz anders. „Krajski war immer noch für die Menschen da“, sagt Frau L. Und doch, auch wenn sie sich nicht sicher ist, wie es weitergehen soll, genießt Frau L. das Leben. „Ich möchte ewig leben“, sagt sie. „Ich bin ein neugieriger Mensch, ich will immer wissen, was los ist.