Stand: 12.07.2022 04:43 Uhr
Ob es im Winter zu einer Gasknappheit kommt, kann niemand mit Sicherheit vorhersagen. Wenn es wirklich so weit kommt, werden Privathaushalte endlich rationiert. In den Städten werden jetzt Krisenpläne vorbereitet.
Angesichts möglicher Energieknappheit im Winter arbeiten die Städte an Notfallplänen und suchen nach Maßnahmen zur Gaseinsparung, die jetzt umgesetzt werden können.
„Wird in Deutschland der Gashahn zugedreht, gehören Privathaushalte zu den besonders geschützten Kunden – Energie wird also erst zuletzt an sie verteilt“, sagte die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Städtetages, Verena Goeppert, der Deutschen Presse Agentur.
Kurzfristige Sparmaßnahmen
Noch besser wäre es, wenn die Gasvorräte ausreichend wären und Einschränkungen überhaupt nicht nötig wären. Energiesparen ist in der aktuellen Situation eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Aus diesem Grund prüfen die Städte derzeit viele kurzfristige Sparmaßnahmen, sagte Goeppert.
Sie “schalten zum Beispiel das Licht aus, verzichten auf Warmwasser in öffentlichen Gebäuden, stellen Springbrunnen ab, regeln die Temperatur von Klimaanlagen und Badewasser anders.”
Außerdem entwickeln Städte mit ihren Krisenstäben und kommunalen Versorgern Krisenpläne für den Fall, dass die Bundesregierung eine Gasnotstandsstufe ausruft und Gas eingeschränkt werden muss, so der Stadtrat. Zudem erfolgt eine enge Abstimmung mit Bund, Ländern und der Bundesnetzagentur.
Ein gemeinsames Kompetenzzentrum von Bund und Ländern
Goeppert betonte: „Eines ist klar: Im Winter darf niemand frieren.“ Auf die Frage nach möglichen Vorkehrungen bei Energieengpässen beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sagte eine Sprecherin der dpa: „Hinsichtlich Gasknappheit sind Experten für kritische Infrastrukturen sehr wachsam und in ständigem Kontakt mit der Bundesnetzagentur.
Ziel sei es, „die Lage genau einschätzen und gegebenenfalls Rückschlüsse für den Bevölkerungsschutz ziehen zu können“. Das noch im Aufbau befindliche gemeinsame Kompetenzzentrum von Bund und Ländern des BBK konzentrierte sich zunächst darauf, ein einheitliches Lagebild zu schaffen. Auf dieser Grundlage wären dann Einschätzungen und Lösungen möglich, falls sich die Lage verschlechtern sollte.
Wird Moskau wieder Gas geben?
Die Ostseepipeline Nord Stream 1 wurde am Montag wegen Wartungsarbeiten stillgelegt. Die Wartung dauert in der Regel bis zu zehn Tage. Die große Sorge ist, dass Russland den Gashahn nicht wieder aufdreht. Dann könnte es während der Heizperiode zu Gasengpässen kommen, und das will die Bundesregierung um jeden Preis verhindern – denn das kann schwere volkswirtschaftliche Schäden und große soziale Folgen nach sich ziehen. Eine Abhängigkeit von russischem Gas muss daher beispielsweise durch den Bau von LNG-Terminals verhindert werden. Der Gasverbrauch für Strom muss reduziert werden.
Habek hofft auf Gas aus Russland, FDP/Union pochen auf Atomkraft
Jim-Bob Nikschas, ARD Berlin 12.07.2022 um 06:24 Uhr
Add Comment