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Tuberkulose-Impfstoff besteht Sicherheitstest – Innovation Origins

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit mindestens 20 Millionen Menschen an Tuberkulose, jedes Jahr erkranken 10 Millionen Menschen an Tuberkulose und etwa 1,5 Millionen sterben jedes Jahr daran. Die Krankheit wird durch Mykobakterien verursacht, die hauptsächlich die Lunge befallen, aber auch jedes andere Organ befallen können. Tuberkulose ist besonders in Ländern mit niedrigem Einkommen weit verbreitet. Daher empfiehlt die WHO laut einer Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft, Neugeborene möglichst bald dagegen zu impfen.

Der vor 100 Jahren erstmals eingesetzte BCG-Impfstoff gegen die Krankheit enthält abgeschwächte Erreger der Rindertuberkulose. „Wir wissen, dass BCG bei Säuglingen mit einer Wirksamkeit von 75 bis 86 Prozent der sogenannten tuberkulösen Meningitis und Miliartuberkulose vorbeugen kann. Dies gilt jedoch nicht für die häufigste Form der Erkrankung, die Lungentuberkulose, in allen Altersgruppen. Hier ist BCG nicht effektiv genug“, erklärt Kaufmann, emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut für multidisziplinäre Wissenschaften und am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin.

Der Infektionsbiologe und sein Team arbeiten seit den 1990er Jahren an einem verbesserten Impfstoffrezeptor namens VPM1002. Dazu haben Forscher den abgeschwächten BCG-Impfstamm genetisch so verändert, dass Immunzellen Krankheitserreger besser erkennen können. „Zu guter Letzt haben wir VPM1002 entwickelt, um größere Sicherheit mit verbesserter Wirksamkeit für immungeschwächte Kinder zu kombinieren“, berichtet Director Emeritus.

Impfstoffkandidat VPM1002 sicher

Zur Gruppe der immunsupprimierten Kinder gehören beispielsweise HIV-exponierte Säuglinge von HIV-positiven Müttern. In einer klinischen Studie in Südafrika verglich ein internationales Forschungskonsortium, dem Kaufmann angehörte, VPM1002 mit BCG bei HIV-exponierten und nicht HIV-exponierten Neugeborenen. Die Studie untersuchte sowohl die Sicherheit als auch die induzierte Immunantwort – genannt Immunogenität – die mit der Bildung von Immunzellen und immunstimulierenden Proteinen zusammenhängt. Das Fazit der Studie: VPM1002 ist sowohl bei HIV-exponierten als auch bei nicht HIV-exponierten Neugeborenen sicher, hat weniger Nebenwirkungen als BCG und ruft eine ähnliche Immunantwort hervor.

In einer randomisierten, doppelblinden Phase-II-Studie in Südafrika wurden 416 geeignete Neugeborene nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und vor dem 12. Lebenstag geimpft. 312 von ihnen erhielten VPM1002, 104 – den BCG-Impfstoff. Wie die Studie zeigte, verursachte VPM1002 weniger impfstoffbedingte Nebenwirkungen als BCG. Gemeint sind Reaktionen an der Einstichstelle wie Narben- und Abszessbildung sowie vergrößerte Lymphknoten. Dieser Befund ist wichtig, da lokale und regionale Reaktionen nach der Impfung zu den Einschränkungen des BCG-Impfstoffs gehören, betonte Kaufman.

Neugeborene mit oder ohne HIV-Exposition zeigten bei beiden Impfstoffen eine ähnliche Immunogenität. Ab einem Alter von sechs Wochen ist die BCG-induzierte Immunantwort jedoch stärker als bei jüngeren Säuglingen.

Fortschritte im Kampf gegen den Tuberkulose-Erreger

Tuberkulose steht an erster Stelle in der Statistik der tödlichen Infektionskrankheiten. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben im Jahr 2018 etwa 1,6 Millionen Menschen an Tuberkulose.

Phase-III-Studie zur Untersuchung des Schutzes

„Studien wie die hier beschriebene untersuchen die Immunogenität, aber nicht den Schutz des Impfstoffs. Wir haben dafür bereits eine größere klinische Phase-III-Studie entwickelt und Mütter mit ihren Neugeborenen erfolgreich von der Teilnahme überzeugt, jetzt tickt die Uhr“, sagt Kaufman. Erste Ergebnisse, die zeigen werden, ob VPM1002 einen vergleichbaren oder besseren Schutz bieten kann als bestehende BCG-Impfstoffe, erwartet der Infektionsbiologe in etwa drei Jahren. Darüber hinaus befindet sich der VPM1002-Impfstoff derzeit in zwei weiteren klinischen Phase-III-Studien, in denen erwachsene Freiwillige in Indien auf Schutz gegen Tuberkulose getestet werden. Diese Studien werden voraussichtlich 2023 bzw. 2024 abgeschlossen sein.

2004 lizenzierte die Max-Planck-Gesellschaft den VPM1002-Impfstoff an Vakzine Projekt Management (VPM). Seit 2012 entwickelt das Unternehmen den Impfstoff gemeinsam mit dem Serum Institute of India, einem der größten Impfstoffhersteller der Welt, weiter. „Das Serum Institute of India hat den Weg zur Ausrottung von Tuberkulose bereitet, indem es Erkennung, Behandlung und Prävention zu gleichen Teilen kombiniert hat. VPM1002 ist ein wichtiger Bestandteil dieser Strategie und wird dazu beitragen, Infektionen und Krankheiten zu reduzieren. Die aktuell laufende Phase-III-Studie ist eine der zentralen Studien zur Stärkung unseres wissenschaftlichen Konzepts. Wir freuen uns, die Rekrutierung aller Neugeborenen dafür abgeschlossen zu haben“, sagte Umesh Shaligram, Executive Director, Research and Development, Serum Institute of India.