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Unterschätzen Sie hohe Zuckerwerte nicht | aponet. de

„Hätte ich noch einmal die Chance gehabt, hätte ich von Anfang an besser auf meinen Zuckerspiegel geachtet“, sagt Walter Staab. Der 63-Jährige blickt auf ereignisreiche vier Jahre zurück: Rascher Sehverlust, Augenoperation, Amputation dreier Zehen und das Einsetzen von Stents zur Verbesserung der Durchblutung im rechten Bein. Er hatte einmal einen Langzeit-Blutzuckerwert von 13. Jetzt geht es ihm besser. Sein Sehvermögen liegt wieder bei über 50 Prozent, er kann wieder arbeiten und die Entzündung in seinen Beinen ist abgeklungen.

Zu selten bei Kontrolluntersuchungen

Nicht jedem wurde von seinem Körper so unverblümt gesagt, dass er zu viel Zucker im Blut hat. Doch die hohen Zahlen sind nicht zu unterschätzen: „Am Anfang habe ich den Fehler gemacht, die Krankheit nicht ernst zu nehmen. Als bei mir Anfang 50 Typ-2-Diabetes diagnostiziert wurde, nahm ich meine Tabletten unregelmäßig und kam selten zu Kontrollterminen“, berichtet Staab. Ein sehr menschlicher Fehler, der auch leicht passiert, weil man Diabetes zunächst gar nicht spürt. Dies bestätigt auch Professor Dr. Thomas Haack, Diabetologe und Chefarzt der Diabetesklinik Bad Mergentheim: „Hohe Blutzuckerwerte sind oft überraschend beschwerdearm. Symptome wie Müdigkeit, vorübergehende Sehstörungen oder verminderte Leistungsfähigkeit können bei manchen Patienten oft erst bei Konzentrationen über 300 mg/dl auftreten.“

Da bei Diabetes kein Tag wie der andere ist, sind mitunter hohe Werte normal. Haack beruhigt: „Wenn sie nur kurzzeitig erhöht sind, etwa im Rahmen einer Erkältung, Grippe oder bei starkem Stress, ist das nicht weiter schlimm.“ Allerdings bleiben anhaltend hohe Werte, die sich oft bei über 180 mg/dl einpendeln bleibende Spuren hinterlassen Im Laufe von acht bis zehn Jahren können Folgeschäden an Augen, Nieren, Beinen und Herz-Kreislauf-System auftreten.

Ernährung, Bewegung, Medikamente

Die gute Nachricht: Mit der richtigen Therapie lassen sich schlechte Werte in den Griff bekommen und weitere Schäden stark reduzieren. Die Ernährung spielt dabei sicherlich eine Rolle. Diabetes-Praxisschulungen helfen, die Zusammenhänge besser zu verstehen und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. „Oft hilft eine Anpassung der Therapie, zum Beispiel mit einer Kombination verschiedener Medikamente. „Auch gerade bei Typ-2-Diabetes trägt Bewegung maßgeblich dazu bei, hohe Werte zu senken“, berichtet Haack. Heute stehen eine Reihe moderner Präparate zur Verfügung, die teilweise nicht nur den Blutzucker, sondern auch das Gewicht und das Risiko von Herz- und Nierenproblemen senken. Insulininjektionen sind eine weitere Behandlungsoption.

Lässt sich der Blutzuckerspiegel im Alltag nicht kontrollieren, hilft ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus oder in einer spezialisierten Diabetesklinik. Haack: „Wir können dann untersuchen, welche Faktoren die Ursache für die hohen Werte sind. Das können zum Beispiel Fehler bei der Einschätzung von Kohlenhydraten und Mengen sein, aber auch Probleme bei der Verabreichung der Therapie oder Stress.“ Eine Insulintherapie, manchmal nur vorübergehend, kann ebenfalls helfen, die Werte effektiv zu senken. Die neue Therapie von Walter Staab schlägt gut an. Es konnte den langfristigen Blutzuckerspiegel fast halbieren.