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Waldbrand in Gohrischheide bei Zeithain (Sachsen): Situation eskaliert erneut

Zeithain/Bad Liebenwerda. Der Waldbrand in Gohrischheide bereitet den sächsischen und brandenburgischen Feuerwehren weiterhin Probleme. Im Moment scheint sich die Lage zu verschärfen: Das Feuer droht die State Road 89 zu umgehen, die östlich der Brache verläuft. Wind und anhaltende Trockenheit erschweren die Brandbekämpfung. Noch ist kein Regen zu sehen.

An der Grenze zwischen Sachsen und Brandenburg müssen nun zwei gepanzerte Rettungsfahrzeuge der Bundeswehr eingesetzt werden, sagte der sächsische Landesfeuerwehrdirektor Dirk Schneider der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. Pioniere sind derzeit in der Gegend, um die Route für die Panzer zu planen. Sie müssen Wege im Wald schlagen, um zu verhindern, dass sich die Flammen ausbreiten. Sie werden nach Angaben der Feuerwehr voraussichtlich in wenigen Tagen erwartet.

Nach Angaben des brandenburgischen Brandschutzbeauftragten Raimund Engel geht man davon aus, dass die Brandursache auf sächsischer Seite lag, wo sich ein Truppenübungsplatz befand. Im Boden versteckte Munition könnte Feuer gefangen haben.

Der Großbrand war am Donnerstag im sächsischen Gohrischheide ausgebrochen und am Freitag auf Mühlberg (Elbe-Elster) in Brandenburg übergesprungen. Am Sonntag seien noch 154 Feuerwehrleute in Sachsen und 162 in Brandenburg stationiert, hieß es in der Mitteilung.

Nach Angaben des Waldbrandbeauftragten wurden in diesem Jahr bereits 265 Brände auf rund 678 Hektar Wald in Brandenburg registriert. 2018 gibt es 512 Brände auf rund 1.674 Hektar.

Folgendes haben wir bisher berichtet:

Große Rauchwolken sind auch am vierten Tag des Waldbrandes an der sächsisch-brandenburgischen Grenze über der Gohrischheide zu sehen. „Wir haben derzeit zwei große Brandherde“, sagte Matthias Heidel, Einsatzleiter der sächsischen Feuerwehr. Am Sonntagnachmittag waren bei Temperaturen knapp über 30 Grad allein auf sächsischer Seite 124 Kameraden im Einsatz. Auch Feuerwehrleute aus Brandenburg kämpfen gegen einen Waldbrand in einem ehemals militärisch genutzten Naturschutzgebiet.

Helikopter sind im Bereich zwischen Zeithein, Groditz und Mülberg ständig zu hören. „Die Landespolizei versorgt uns mit Luftaufnahmen“, sagt Matthias Heidel. Manchmal fliegt ein Feuerwehrmann mit, um die Brandbekämpfung im unwegsamen Gelände darüber zu koordinieren.

Die Polizei sperrte die S 89 für den Verkehr zwischen Lichtensee und Niska. So war es am Sonntag. © dpa So präsentierte sich der Waldbrand den entgegenkommenden Feuerwehren © Feuerwehrbraut Zeithain An der Landesstraße bei Nieska wurde ein Hafengebiet für Feuerwehr, THW und Johanniter gebildet. ©dpa

Da die Munitionsbelastung in Gohrischheide sehr hoch ist, müssen sich die Einsatzkräfte vielerorts von den Flammen fernhalten. Gerade wurde ein neuer Alarm ausgelöst: Feuerwehrleute aus Röderau und Neudorf nähern sich. Eine Sperrstellung müssen sie mit den sogenannten Rundsprühern herstellen – einer speziellen Technik für Waldbrände, die der Feuerwehr erst vor wenigen Monaten vom landeseigenen Unternehmen Sachsenforst zur Verfügung gestellt wurde.

450 Hektar Wald und Gebüsch seien bereits abgebrannt, sagte Einsatzleiter Heidel am Sonntagnachmittag. 500 Hektar werden es sicher sein. Zum Vergleich: In Beelitz und Treuenbrietzen in Brandenburg waren zuletzt jeweils rund 200 Hektar betroffen.

In Gohrischheide geht man davon aus, dass der Waldbrandeinsatz noch bis Donnerstag andauern wird – das ist genau eine Woche nach dem Brandausbruch am 23. Die Feuerwehr wurde am Nachmittag fast zeitgleich zu verschiedenen Brandherden alarmiert. Die Polizei ermittelt zur Brandursache, doch eine Selbstentzündung an verschiedenen Stellen erscheint äußerst unwahrscheinlich.

Hunderte Feuerwehrleute sind seit Donnerstag auf beiden Seiten der Landesgrenze stationiert. Allein auf sächsischer Seite waren 200 Einsatzkräfte gleichzeitig an der Spitze. Jetzt wird es regelmäßig gewechselt, damit die Kameraden nicht zu sehr verschleißen.

Deshalb sind bereits Feuerwehren aus allen Teilen des Landkreises Meißen bei Waldbrandeinsätzen im Einsatz: aus Lomatsch ebenso wie aus Radebeul, aus Riza und aus Schönfeld. Am Rande des Wüstenfelsens bei Nieska liegt die Kommandozentrale der sächsischen Feuerwehr. Hier versammeln sich folgende Kräfte. Daher bleibt die Staatsstraße S 89 zwischen Lichtensee und Nieska für den Verkehr gesperrt.

Matthias Heidel ist von sächsischer Seite Einsatzleiter bei der Feuerwehr Gohrischheide. Er ist Leiter der städtischen Feuerwehr in Zeithain. © Sebastian Schultz So sah der Waldbrand an der Landesgrenze am Freitag aus. Am Sonntag waren Rauchwolken in der Ferne über dem Ödland zu sehen. © dpa Fußabdruck vom Gebüschrand zwischen Niska (Sachsen) und Kozilensien (Brandenburg). ©dpa

Seitens Brandenburg gibt es ein ähnliches Einsatzkommando. Die Zusammenarbeit laufe sehr gut, sagt Matthias Heidel, Leiter Gemeindeverteidigung bei Zeithain. Seiner Gemeinde stehen nun schwierige Tage bevor: Die Kosten der Operation haben längst einen sechsstelligen Betrag erreicht – Tendenz steigend. Das dürfte das Gemeindebudget von 5.500 Einwohnern sprengen. Es laufen bereits Gespräche mit Ministerien, um Unterstützung aus dem Freistaat zu erhalten. Der größte Teil des ehemaligen Truppenübungsplatzes gehört ohnehin dem Freistaat, ein weiterer großer Teil dem Bund.

Auch die Feuerwehr steht bei Großeinsätzen an der Seite Brandenburgs. Es gehe noch darum, die zahlreichen Glutnester im Brandgebiet bei Mülberg im Elbe-Elster-Kreis zu bekämpfen, sagte Einsatzzentralensprecher Clemens Fischer am Sonntag. „An diesen gefährlichen Orten lodern überall immer wieder Flammen“, sagte er. Leider blieb der erwartete Regen im Brandbereich aus.

Spezialteams seien mit Hacken und Feuerlöschern unterwegs, um die Tiefenhitze mit Temperaturen von 500 Grad und mehr zu löschen, sagte Fisher. Unter ihnen seien 30 Mitglieder der Katastrophenschutzeinheit @fire, teilte die humanitäre Organisation mit. Insgesamt arbeiten fast 300 Arbeiter im Schichtbetrieb im Brandgebiet, sagte Fischer.

In der Nacht zum Sonntag habe ein Hubschrauber mit einer Wärmebildkamera die Suche nach Glut unterstützt, sagte der Sprecher. Diese konnte jedoch kein mit Munition beladenes Gebiet überfliegen, da nach der Explosion Granatsplitter in bis zu 1000 Meter Höhe in die Luft geschleudert werden konnten.

Für die Bekämpfung des Waldbrandes wurde laut Fischer im Neuburksdorfer Ortsteil Bad Liebenwerda nun ein gemeinsames Führungsteam mit sächsischen Kollegen gebildet.

Der Regen bringt ein wenig Erleichterung

Für die Städte und die Menschen auf sächsischer Seite besteht nach Angaben der Feuerwehr keine Gefahr mehr. Der Brand konnte am Samstag jedoch nicht vollständig gelöscht werden, wie Einsatzleiter Matthias Heidel von der Feuerwehr Zeithain mitteilte.

„Wir haben immer noch ein Feuer im zentralen Teil der Gohrischheide, das sich langsam ausbreitet“, sagte Heidel. Die Rettungskräfte kamen jedoch überhaupt nicht dorthin. Die Brandstelle liegt mitten im Naturschutzgebiet, sie ist zugewachsen und über Wege nicht zu erreichen.

Der Brand wird von einer Drohne überwacht und muss während einer Brandpause von Feuerwehrleuten angenommen werden. Bei günstigen Windverhältnissen besteht die Möglichkeit, dass dieses Feuer einfach erlischt.

Der Regen in der Nacht zum Samstag habe etwas Erleichterung gebracht, sagte Engel. Vielmehr brannte das Feuer einfach, besonders auf Ackerland, wenn es keine neuen Lebensmittel gab.

„Um ein Übergreifen der Flammen zu verhindern, wurde ein 50 Meter breiter Schutzstreifen durch die Felder gepflügt“, sagte Engel. Außerdem werden jetzt Sprinkleranlagen am Rand der Brandzone platziert. Dazu wird eine drei Kilometer lange Wasserleitung von einem Teich im Mülberger Ortsteil Altenau verlegt.

Der Großbrand war am Donnerstag in der sächsischen Gohrischen Heide ausgebrochen und hatte sich am Freitag in Richtung Mühlberg (Elbe-Elster) in Brandenburg ausgebreitet. Zeitweise standen mehr als 800 Hektar in Flammen. Die vorübergehende Räumung der Ortsteile Krobeln und Kozilensien in der Stadt Bad Liebenwerda wurde am Freitagabend um 21 Uhr wieder abgesagt.

Erholen Sie sich auf sächsischem Territorium

Auf sächsischer Seite, im nördlichen Teil des Kreises Meißen, beruhigte sich die Lage etwas früher. Es gebe keine großen Flammen mehr und der Brand sei inzwischen unter Kontrolle, sagte Einsatzleiter Matthias Heidel von der Feuerwehr Zeithain. “Das Schlimmste ist bisher passiert.”

Betriebsleiter Matthias Heidel erklärt einem Reporter die Situation. © Feuerwehr Zeithain

Riesige Munitionsladung im Sachsenwald

Am Freitagnachmittag breitete sich das Feuer noch weiter aus – über die Gleise der Bahnstrecke Röderau-Falkenberg in einem Wirtschaftswald. Teile des Geländes müssten aufgegeben werden, teilte die Feuerwehr mit. Der Chef der Feuerwehr im Elbe-Elster-Kreis, Steffen Ludevig, sagte der Lausitzer Rundschau, Hunderte Hektar Wald würden abgebrannt. Laut Feuerwehr waren Explosionen aus dem brennenden Wald zu hören.

Hunderte Hektar Wald wurden bereits abgebrannt. ©Sebastian Schultz

Die Brandursache ist noch unklar. Laut Matthias Heidel kann sich Munition bei grellem Sonnenlicht entzünden. Nach ersten Informationen begann es jedoch am Donnerstagnachmittag an zwei Stellen zu brennen.

Bisher haben Drohnen eine wichtige Rolle gespielt, um sich einen Überblick über die Situation in der Einöde zu verschaffen …