Marktbericht
Stand: 07.04.2022 21:50
Was, wenn Russland den Gashahn komplett zudreht? Diese neue, scharfe Version der Rezessionsangst sorgte zu Beginn der Woche nicht für große Freude. Zudem wurden die europäischen Märkte mit ihren Sorgen allein gelassen.
Die neue Woche begann mit einem Paukenschlag. Der DAX erholte sich zunächst mit Kursgewinnen von bis zu 0,8 Prozent von seinen jüngsten Kursverlusten. Aber der Mangel an amerikanischen Investoren war im Laufe des Jahres zu spüren. Die Wall Street war wegen der Feiertage zum Unabhängigkeitstag geschlossen.
Bei relativ schwachen Umsätzen driftete der deutsche Leitindex ins Minus und schloss 0,3 Prozent tiefer. An der Grundsituation des deutschen Aktienmarktes wird sich dadurch nichts ändern. Der DAX ist technisch immer noch krank, der allgemeine Abwärtstrend bleibt intakt. Laut IG-Experten liegt er derzeit bei 13.213 Punkten.
Angst vor dem Gasgeben
Derzeit fürchten Investoren jedoch vor allem, dass Russland die Gaslieferungen nach Westeuropa bald komplett einstellen könnte. Dies wird Deutschland zweifellos in eine Rezession stürzen. Dies droht bereits angesichts der straffen Zinspolitik der Notenbanken. Die vom Beratungsunternehmen Sentix befragten Finanzmarktexperten rechnen bereits jetzt fest mit einer Rezession in der Eurozone. Das zeigt der heute veröffentlichte Konjunkturindikator Sentix. Der Gesamtindex für den Euroraum fiel von minus 15,8 Punkten im Juni auf minus 26,4 Punkte im Juli, den niedrigsten Stand seit Mai 2020.
Besonders eingetrübt war das Bild bei den Konjunkturerwartungen – mit minus 35,8 Punkten wurde der niedrigste Wert seit Dezember 2008 gemessen. Damals erreichte die Finanzkrise nach dem Zusammenbruch der Bank Lehman Brothers ihren Höhepunkt. „Die Dynamik erinnert in jeder Hinsicht an das Krisenjahr 2008“, erklärt Sentix-Experte Manfred Hübner. „Und was damals der Kollaps des Finanzsystems war, ist heute die Gefahr eines Zusammenbruchs der europäischen Energieversorgung.“
Die erste Diskussion über “Concerted Action” im Bundeskanzleramt hatte wenig Auswirkungen auf die Kurse. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte angesichts der hohen Inflation Gewerkschaften, Arbeitgeber und Wissenschaftler zu den Gesprächen eingeladen. Die Ergebnisse des Dialogs mit den Sozialpartnern sollen im Herbst vorliegen.
Wird Corona den Rest der Wirtschaft machen?
„Ein weiteres Thema am Horizont ist das längst vergessene Coronavirus“, warnte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets. „Eine weitere starke Welle im Herbst, einschließlich Ihrer Maßnahmen, könnte die Rezession der deutschen Wirtschaft endgültig zementieren.
Auch die Rezessionsängste der Anleger belasten die Rohstoffpreise. Der Preis des Industriemetalls Kupfer fiel auf den niedrigsten Stand seit anderthalb Jahren. In China brachen die Eisenerz-Futures um fast sechs Prozent ein, nachdem die Regierung in Peking wegen einer steigenden Zahl von Coronavirus-Fällen neue Pandemiebeschränkungen angekündigt hatte.
Die Ölpreise sind etwas höher
Trotz Konjunktursorgen stieg der Ölpreis bis zum Abend wieder an. Rohöl der Sorte Brent aus der Nordsee stieg um 1,4 % auf 113,50 $ pro Barrel. Negative Faktoren haben den Rohölmarkt in letzter Zeit dominiert. Hauptlast ist die Angst vor einer deutlichen Verlangsamung der Weltwirtschaft.
Gold blieb über 1.800 $
Zu Beginn der Woche konnte sich der Goldpreis über der wichtigen Marke von 1.800 $ halten. Eine Feinunze des gelben Edelmetalls zahlte am späten Abend 1.808 $. Der Euro war mit 1,0420 $ etwas schwächer.
Verkaufsrückgang bei VW, BMW und Audi in den USA
Chipknappheit und Lieferkettenprobleme bremsen den US-Automarkt weiter aus – auch für deutsche Hersteller läuft es schlecht. VW verkaufte im zweiten Quartal 78.281 Neuwagen, rund ein Drittel weniger als vor einem Jahr.
Mit 78.905 Autos der Hauptmarke trennte sich BMW von 18,3 Prozent weniger Fahrzeugen als im Vorjahreszeitraum. Die US-Verkäufe der VW-Tochter Audi gingen um 28 Prozent auf 48.049 Fahrzeuge zurück.
Uniper stürzt um mehr als 27 Prozent ab
Das unter der Gaskrise gelittene Unternehmen Uniper rückte erneut in den Fokus der Unternehmen. Nach anfänglichen Kursgewinnen fielen die MDAX-Aktien für den Rest des Index. Das Land arbeite mit Hochdruck an einer Lösung für Uniper, sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums. Nach Informationen der Agentur Bloomberg sprechen wir von einer möglichen Hilfe von bis zu neun Milliarden Euro. Eine Beteiligung des Bundes kann ebenfalls eine Option sein.
Philman bricht die Vorhersage ab
Die Fielmann-Aktie verlor mehr als zwölf Prozent auf ein Achtjahrestief. Hohe Kosten, verunsicherte Verbraucher und hohe Corona-Erkrankungsraten in der Belegschaft lassen die Optikerkette pessimistischer auf das laufende Jahr blicken. Der Vorstand hat heute die Prognose revidiert und ein Sparprogramm angekündigt. Das SDAX-Unternehmen erwartet nun ein deutlich verlangsamtes Wachstum auf rund 1,8 (Vj. 1,68) Milliarden Euro Umsatz und einen Rückgang des Vorsteuerergebnisses auf gut 190 (209,7) Millionen Euro. Die Geschäftsleitung will…
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